Beispiel 1: Warm und persönlich
Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Nachbarn,
wenn ich an Mama denke, rieche ich zuerst Hefeteig. Sonntags stand sie um sechs in der Küche, das Radio leise, die Hände voller Mehl. Wer zu früh kam, bekam keinen Kuchen, sondern eine Schürze.
So war sie. Sie hat nie viele Worte über Liebe gemacht. Sie hat sie gebacken, gebügelt, in Brotdosen gepackt und nachts an unser Bett getragen, wenn wir Fieber hatten.
Hilde wurde 1941 in Schmalkalden geboren, als drittes von fünf Kindern. Platz war wenig, Arbeit viel. Mit fünfzehn begann sie die Lehre als Schneiderin, und wer je ein Kleid von ihr getragen hat, weiß: Bei ihr saß jede Naht. „Ordentlich oder gar nicht“, das war ihr Satz. Wir haben ihn oft gehört, und nicht immer gern.
Mit Papa war sie 52 Jahre verheiratet. Die beiden waren kein lautes Paar. Aber wenn er aus dem Garten hereinkam, stand der Kaffee schon da, und wenn sie abends nähte, saß er daneben und las ihr aus der Zeitung vor. Mehr Liebeserklärung brauchte es bei uns zu Hause nicht.
Ihre größte Freude waren die Enkel. Jonas, Marie, für euch hat Oma Regeln gebrochen, die für uns Kinder noch heilig waren. Schokolade vor dem Mittagessen. Aufbleiben bis zum Ende vom Film. Wir haben es ihr gegönnt, und euch auch.
Die letzten Monate waren schwer. Mama hat sie getragen, wie sie alles getragen hat: ohne Klagen und mit der Frage, ob wir auch genug gegessen haben. Ich bin dankbar, dass wir uns verabschieden konnten. Dass ich ihre Hand halten durfte, so wie sie meine gehalten hat, als ich klein war.
Mama, du hast uns beigebracht, dass man die Dinge ordentlich macht oder gar nicht. Du hast dein Leben ordentlich gemacht. Du hast geliebt, gesorgt, gearbeitet und gelacht, und du hast uns gezeigt, wie das geht.
Wir lassen dich heute gehen. Aber sonntags, wenn es irgendwo nach Hefeteig riecht, bist du wieder da.
Danke, Mama. Für alles.
Zehn Fragen, etwa 8 Minuten. Die Vorschau ist kostenlos.
Beispiel 2: Kurz und schlicht
Liebe Familie, liebe Freunde,
auf dem Küchenschrank meiner Mutter stand ein Gurkenglas mit Münzen. Darauf klebte ein Zettel: Klassenfahrt. Keiner von uns dreien ist je zu Hause geblieben, wenn die anderen gefahren sind. Wie sie das geschafft hat, weiß ich bis heute nicht. Vorgerechnet hat sie es uns nie.
Christel Bongartz, geboren 1944 in Duisburg-Meiderich, gelernte Verkäuferin. Als Vater starb, war sie 38, und wir Kinder waren elf, neun und sechs. Sie hat danach 27 Jahre im Supermarkt an der Kasse gesessen und samstags noch Treppenhäuser geputzt. Gejammert hat sie in all den Jahren nicht ein einziges Mal. Wenn es eng wurde, sagte sie: „Nützt ja nix.“ Dann hat sie die Ärmel hochgeschoben.
Wenn ich sie besucht habe und wieder losfuhr, stand sie am Küchenfenster und hat gewunken. Nicht kurz. Sie hat gewunken, bis mein Auto um die Ecke war. Ich habe jedes Mal in den Rückspiegel geschaut, vierzig Jahre lang, und sie stand jedes Mal da.
Für sich selbst wollte sie nie etwas. Zum Achtzigsten haben wir ihr eine Woche an der Nordsee geschenkt. Sie hat sich drei Tage gefreut und am vierten gefragt, ob das nicht zu teuer war.
Mutter, du hast drei Kinder allein großgezogen, und aus allen dreien ist etwas geworden. Das ist dein Werk. Du hast nie Aufhebens darum gemacht, und lange Reden waren dir ein Graus. Also höre ich gleich auf.
Nur eins noch: Wenn ich nachher vom Friedhof fahre, schaue ich in den Rückspiegel. Aus Gewohnheit. Danke, Mutter. Wir machen weiter. Nützt ja nix.
Beispiel 3: Mit sanftem Humor
Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Nachbarn, und wie ich sehe, auch einige Herrschaften, die meiner Mutter eher dienstlich begegnet sind,
bevor ich anfange, eine Beruhigung: Draußen auf dem Friedhofsparkplatz wird heute nicht kontrolliert. Das ist, solange ich denken kann, das erste Mal.
Meine Mutter, Marlene Vogt, war 26 Jahre lang beim Ordnungsamt der Stadt Soest, in der Verkehrsüberwachung. Politesse hat man früher gesagt. Wir haben einmal überschlagen, dass sie in dieser Zeit an die 90.000 Knöllchen geschrieben hat. Sie war stadtbekannt. Beliebt wäre ein zu großes Wort. Sie fand das völlig in Ordnung. „Ich bin nicht zum Liebhaben da“, hat sie gesagt, „ich bin dafür da, dass der Bus durchkommt.“
Gerecht war sie, und zwar ohne Ansehen der Person. Sie hat den Bürgermeister aufgeschrieben, den Pfarrer und zweimal meinen Vater. Beim zweiten Mal stand er daneben und hat auf sie eingeredet. Sie hat in Ruhe zu Ende geschrieben, ihm den Zettel unter den Wischer geklemmt und gesagt: „Um sechs gibt es Essen, Werner.“ Er hat bezahlt. Beide Male.
Was die wenigsten wussten: In ihrer Jackentasche hatte sie immer Kleingeld. Wenn bei einer alten Dame die Parkuhr ablief, während die noch beim Arzt saß, hat meine Mutter nachgeworfen. Aus eigener Tasche, jahrelang. Und das Auto vom Pflegedienst hat sie in 26 Jahren nicht ein einziges Mal aufgeschrieben, egal wo es stand. „Das habe ich nicht gesehen“, sagte sie dann. Sie, die sonst alles gesehen hat.
Zu Hause ging es weiter. Um sieben Abendessen, um neun Licht aus, und wer überzog, bekam eine Verwarnung. Mündlich, beim ersten Mal. Mein Bruder behauptet bis heute, er habe mit 14 einen echten Strafzettel an seiner Zimmertür gefunden, wegen Abstellens von Turnschuhen im Halteverbot. Ich kann das bestätigen. Ich habe ihn aufgehoben.
Als Jugendliche war mir ihr Beruf peinlich. Halb Soest hat auf meine Mutter geschimpft, und ich saß in der Schule neben den Kindern dieser Leute. Verstanden habe ich sie erst später. Sie hat nie nach oben gebuckelt und nie nach unten getreten. Sie hat Regeln ernst genommen, weil sie die Menschen ernst nahm, für die sie gemacht sind: die Frau mit dem Rollator, die an der zugeparkten Ecke nicht mehr über die Straße kam. Für die ist sie bei jedem Wetter gelaufen, zwölf Kilometer am Tag.
In den letzten Wochen im Krankenhaus hat sie vom Fenster aus den Parkplatz im Blick behalten. „Der Silberne steht seit drei Tagen auf dem Behindertenplatz“, hat sie gesagt, „und keiner tut was.“ Ich habe es der Stationsschwester gemeldet. Am nächsten Tag war der Silberne weg. Meine Mutter hat zufrieden genickt. Es war, glaube ich, ihr letzter Fall.
Mama, du hast uns beigebracht, dass Ordnung nichts mit Strenge zu tun hat, sondern mit Rücksicht. Dass man gerecht sein kann und trotzdem Kleingeld in der Tasche hat. Und dass man es aushalten muss, nicht von allen gemocht zu werden, wenn man das Richtige tut.
Wir haben heute alle ordentlich geparkt, Mama. Ich habe nachgesehen.
Danke für alles. Wir passen jetzt selbst auf.
Alle Personen und Begebenheiten in den Beispielen sind frei erfunden, Ähnlichkeiten wären zufällig. Sie dürfen die Texte für Ihre eigene Rede frei verwenden und anpassen.
Was in eine Trauerrede für die Mutter gehört
Eine Trauerrede für die Mutter muss kein vollständiger Lebenslauf sein. Die Eckdaten kennen die meisten Trauergäste ohnehin. Was sie hören möchten, ist der Mensch: wie sie gesprochen hat, woran man sie erkannte, was sie ihren Kindern mitgegeben hat. Drei Dinge tragen fast jede Rede:
- Ein Bild zum Einstieg: ein Geruch, ein Geräusch, ein Platz im Haus. Im ersten Beispiel ist es der Sonntagmorgen in der Küche.
- Ein Satz von ihr: „Ordentlich oder gar nicht“, „Nützt ja nix“. Eine Redewendung, die alle kannten, sagt mehr als zehn Eigenschaftswörter.
- Eine Szene, die eine Eigenschaft beweist: Schreiben Sie nicht, dass sie fürsorglich war. Erzählen Sie vom Münzglas für die Klassenfahrt.
Weglassen dürfen Sie Krankheitsverläufe, alte Familienstreitigkeiten und alles, was Ihre Mutter selbst nicht vor Publikum gehört hätte.
Aufbau in fünf Schritten
- Anrede: Familie, Freunde, Nachbarn, bei einer kirchlichen Trauerfeier auch die Gemeinde.
- Einstieg: ein Bild oder ein Satz Ihrer Mutter, kein Datum.
- Stationen: Herkunft, Beruf, Ehe, Familie. Zwei oder drei genügen, in wenigen Sätzen.
- Ihr Wesen: ein oder zwei Szenen, die man vor sich sieht.
- Dank und Abschied: am besten direkt an sie gerichtet, in der Anrede, die Sie im Leben benutzt haben.
Ausführlicher ist das im Aufbau einer Trauerrede beschrieben. Wenn Sie nur wenige Sätze sagen möchten, etwa als Grabrede für die Mutter bei der Beisetzung, finden Sie Vorlagen unter kurze Trauerrede für die Mutter.
Wenn sie Mutter und Oma war
Viele Mütter waren am Ende ihres Lebens vor allem Großmutter, und oft eine andere, als ihre Kinder sie kannten: nachsichtiger, verspielter, mit mehr Zeit. Eine Trauerrede für Mutter und Oma darf beide Seiten zeigen. Bewährt hat sich, zuerst als Kind zu sprechen und dann in einem eigenen Absatz die Enkel beim Namen zu nennen, so wie es das erste Beispiel tut.
Fragen Sie die Enkel vorher nach einer Erinnerung. Kinder nennen oft Dinge, auf die Erwachsene nicht kommen: das Geräusch ihrer Hausschuhe, die Dose mit den Knöpfen, das Lied beim Zubettbringen. Möchten die Enkel selbst sprechen, finden sie Beispiele unter Trauerrede für die Oma.
Den richtigen Ton finden
Sie müssen sich nicht zwischen ernst und heiter entscheiden. Eine schöne Trauerrede für die Mutter klingt so, wie in Ihrer Familie über sie gesprochen wird. War sie eine Frau mit Witz, darf gelächelt werden, wie im dritten Beispiel. War das Verhältnis nicht immer leicht, muss die Rede nichts beschönigen: Wie das gelingt, zeigen die Beispiele von der Tochter gesprochen. Wer eine ungewohnte Form sucht, etwa einen Brief an die Verstorbene, wird unter Trauerrede für die Mutter mal anders fündig.
Lesen Sie den fertigen Text mindestens einmal laut. Stellen, an denen Ihnen die Stimme bricht, müssen Sie deshalb nicht streichen. Markieren Sie dort eine Pause und atmen Sie durch.
Erst lesen, dann entscheiden. Einmalig 29 €, kein Abo.
Häufige Fragen
Wie lang sollte eine Trauerrede für die Mutter sein?
Drei bis fünf Minuten sind für die Kinder der Verstorbenen ein guter Rahmen, das sind etwa 350 bis 650 gesprochene Wörter. Sprechen mehrere Geschwister nacheinander, reichen zwei Minuten pro Person.
Wer hält die Trauerrede, wenn die Mutter gestorben ist?
Oft spricht das Kind, dem das Reden am leichtesten fällt. Geschwister können den Text gemeinsam schreiben, und eine Person trägt ihn vor. Traut sich niemand zu sprechen, kann der Trauerredner, der Pfarrer oder ein Freund der Familie Ihren Text vorlesen.
Darf ich in der Rede Mama oder Mutti sagen?
Ja. Verwenden Sie die Anrede, die Sie im Leben benutzt haben. Eine förmliche Bezeichnung, die in Ihrer Familie nie gefallen ist, klingt in der Trauerhalle fremd.
Was mache ich, wenn mir beim Sprechen die Tränen kommen?
Das ist erlaubt, und niemand nimmt es Ihnen übel. Halten Sie inne, atmen Sie ruhig, trinken Sie einen Schluck Wasser. Geben Sie vorher einem vertrauten Menschen eine Kopie der Rede, damit er notfalls weiterlesen kann.
Kann ich eines der Beispiele als Vorlage verwenden?
Ja, Sie dürfen jede Trauerrede auf dieser Seite als Vorlage kopieren und anpassen. Über die Druckfunktion Ihres Browsers lässt sich die Seite auch ausdrucken oder als PDF speichern. Ersetzen Sie Namen, Orte und vor allem die Szenen durch Ihre eigenen.
Mir fallen viele Erinnerungen ein, aber kein Text. Was hilft?
Beantworten Sie zuerst einfache Fragen, statt Sätze zu formulieren: Was hat sie oft gesagt? Wo im Haus sehen Sie sie vor sich? Wofür sind Sie ihr dankbar? In unserem Fragebogen können Sie solche Erinnerungen eintragen und daraus eine persönliche Rede erstellen lassen.