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Trauerrede für die Oma: Beispiele und Vorlagen aus der Sicht der Enkel

Eine Trauerrede für die Oma zeigt eine Seite der Verstorbenen, die nur ihre Enkel kennen. Hier finden Sie drei vollständige Beispiele von Enkeln unterschiedlichen Alters, die Sie frei anpassen dürfen, und Hinweise, was in Ihre Rede gehört.

Beispiel 1: Von der jüngsten Enkelin

ca. 3,5 Minuten von der Enkelin gesprochen, 23 Jahre weltliche Trauerfeier

Liebe Familie, liebe Freunde von Oma,

ich bin Pia, die jüngste Enkelin, und ich habe mich gemeldet, heute zu sprechen. Nicht, weil ich das gut kann. Sondern weil Oma einmal zu mir gesagt hat: „Wenn keiner was sagt, sag du was. Du hast die Klappe von mir.“

Meine Oma Hanni ist 29 Jahre lang in Braunschweig Straßenbahn gefahren. Als sie anfing, saßen vorn fast nur Männer, und mancher Fahrgast hat gefragt, ob sie das denn kann. Sie hat dann freundlich gesagt: „Setzen Sie sich, halten Sie sich fest, dann sehen wir weiter.“ Sie ist in all den Jahren unfallfrei geblieben. Darauf hat sie Wert gelegt, auch noch mit achtzig.

Als ich klein war, sind wir beide sonntags Bahn gefahren. Einfach so, ohne Ziel, einmal bis zur Endhaltestelle und zurück. Sie kannte jede Haltestelle in der richtigen Reihenfolge, jede Weiche, jeden Kollegen, der uns entgegenkam, und jeder hat die Hand gehoben. Wir saßen immer vorn rechts. „Von da sieht man am meisten“, hat sie gesagt. Ich kam mir vor wie die Enkelin der Königin.

Bei Oma durfte ich, was ich zu Hause nicht durfte. Fernsehen beim Essen. Cola. Um elf noch wach sein und Rommé spielen, um alte Pfennige aus einer Blechdose. Gewinnen lassen hat sie mich nie. Nicht ein einziges Mal, auch nicht mit sieben. „Geschenkt wird dir draußen auch nichts“, hat sie gesagt, die Pfennige eingestrichen und mir am nächsten Tag davon ein Eis gekauft.

Als ich zum Studium nach Freiburg gezogen bin, hat sie sich mit 79 ein Smartphone gekauft. Ihre Sprachnachrichten fingen alle gleich an: „Ja, hallo, hier ist die Oma.“ Als wüsste ich das nicht. Dann kamen zwei Minuten Wetter, Nachbarn und die Frage, ob ich genug esse, und am Ende jedes Mal: „So, ich leg jetzt auf.“ Ich habe 214 dieser Nachrichten. Ich habe gestern nachgezählt. Ich werde keine einzige löschen.

Im Sommer ging es ihr schlechter, und ich bin jedes zweite Wochenende nach Hause gefahren. Beim letzten Besuch haben wir kein Rommé mehr gespielt. Sie hat meine Hand gehalten und gefragt, wo ich in Freiburg in der Bahn sitze. Ich habe gesagt: vorn rechts. Sie hat genickt. „Gut. Dann siehst du was von der Welt.“

Oma, ich bin 23, und ich weiß noch nicht, wo es für mich hingeht. Aber ich weiß, wo ich sitze. Und wenn mal keiner was sagt, dann sage ich was. Versprochen.

So. Ich leg jetzt auf. Danke für alles, Oma.

So eine Rede, aber über Ihre Großmutter

Zehn Fragen, etwa 8 Minuten. Die Vorschau ist kostenlos.

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Beispiel 2: Vom erwachsenen Enkel, im Rückblick

ca. 4 Minuten vom Enkel gesprochen, 47 Jahre kirchliche Beerdigung im Dorf

Liebe Familie, liebe Nachbarn, liebe Gemeinde,

meine Großmutter Katharina Becker, für alle im Dorf die Käthe, ist 96 Jahre alt geworden. Sie hat hier in Sankt Martin über siebzig Weinlesen mitgemacht, die erste als junge Frau mit der Schere im Hang, die letzte vom Küchenfenster aus, mit Fernglas und mit Kommentaren. Wer in ihrem Alter stirbt, von dem heißt es, er habe ein erfülltes Leben gehabt. Das stimmt. Traurig bin ich trotzdem.

Ich bin 47, und ich merke in diesen Tagen, dass ich nicht nur meine Oma verliere, sondern den letzten Menschen, der mich als Kind gekannt hat, wie nur Großeltern ein Kind kennen: ohne Erziehungsauftrag. Bei ihr musste ich nichts werden. Ich musste nur pünktlich zum Essen da sein.

Meine Sommerferien habe ich hier verbracht, zwischen den Rebzeilen. Oma hat mich um sechs geweckt, und zwar nicht sanft. „Der Wingert wartet nicht“, hat sie gesagt. Dann standen wir im Hang, sie mit Kopftuch und Rebschere, ich mit Eimer und schlechter Laune. Um neun gab es Brot und kalten Tee auf der Weinbergsmauer, und sie hat mir gezeigt, wie man am Blatt erkennt, ob es dem Stock gut geht. Das meiste habe ich wieder vergessen. Nicht vergessen habe ich, wie sie die Blätter dabei angefasst hat. So fasst man etwas an, das man liebt.

Sie hat den Krieg erlebt, ihren Mann früh verloren und den Betrieb allein durch die schlechten Jahre gebracht. Erzählt hat sie davon fast nichts. Wenn ich nachgefragt habe, hieß es: „Es ist, wie es ist, und gejammert wird nach Feierabend.“ Nach Feierabend hat sie dann auch nicht gejammert. Da saß sie auf der Bank vor dem Haus, ein Glas Schorle in der Hand, und hat den Hang angeschaut.

Als Kind habe ich sie für streng gehalten. Heute, mit eigenen Kindern, sehe ich etwas anderes. Ich sehe eine Frau, die jeden Abend an mein Bett kam, die Decke feststeckte, bis ich mich kaum noch rühren konnte, und im Hinausgehen die Tür einen Spalt offen ließ. Ich hatte ihr nie gesagt, dass ich mich im Dunkeln fürchte. Sie hat es gewusst.

Meine Tochter hat sie noch kennengelernt. Bei unserem letzten Besuch im Oktober saß Lina neben ihr auf der Bank. Oma hat ihr eine Traube in die Hand gelegt und gesagt: „Probier. Das wird ein guter Jahrgang.“ Lina ist sechs. Sie hat ernst genickt, als verstünde sie etwas davon. Oma auch.

Oma, du hast nie viel geredet, und über dich selbst schon gar nicht. Deshalb sage ich es für dich: Du hast 96 Jahre lang getan, was getan werden musste, und du hast dabei keinen von uns übersehen.

Der Wingert wartet nicht, hast du gesagt. Im September ist wieder Lese. Ich habe mit meinem Cousin gesprochen, ich komme und helfe. Um sechs. Das bin ich dir schuldig.

Ruh dich aus, Oma. Jetzt ist Feierabend.

Beispiel 3: Im Namen aller Enkel vorgelesen

ca. 3 Minuten von der ältesten Enkelin für sieben Enkel gelesen Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung

Liebe Familie, liebe Freunde und Nachbarn,

wir sind sieben Enkel, zwischen neun und 31 Jahre alt, und wir konnten uns nicht einigen, wer von uns heute spricht. Also sprechen alle. Jeder hat aufgeschrieben, was er von Oma Rosi nicht vergessen wird, und ich, Wiebke, lese es vor, weil ich die Älteste bin. Oma hätte gesagt: „Na, dann mal los, und nuschel nicht.“

Zuerst das, was die meisten hier wissen. Rosemarie Cordes hat 38 Jahre lang mit Opa die Schäferei bei Schneverdingen geführt, 600 Heidschnucken, bei jedem Wetter draußen. In der Lammzeit hat sie wochenlang kaum geschlafen, weil Lämmer sich nicht nach der Uhr richten. Wie vielen sie auf die Welt geholfen hat, hat nie jemand gezählt. Für uns war sie einfach Oma. Und das klang so:

Jannik, 27, schreibt: Oma hat mir gezeigt, wie man ein Lamm trägt. Eine Hand unter die Brust, eine unter den Hintern. „Festhalten, aber nicht klammern“, hat sie gesagt. Ich habe inzwischen einen Sohn. Ich sage mir den Satz jeden Tag.

Merle, 24: Bei Oma gab es im Flur eine Schublade, die gehörte uns. Darin lagen Buntstifte, Kartenspiele und für jeden ein Heft, in das sie geschrieben hat, wie groß wir beim letzten Besuch waren und was wir Lustiges gesagt haben. Ich habe mein Heft letzte Woche gelesen. Ich wusste nicht, dass mir jemand so genau zugehört hat.

Tjark und Ole, die Zwillinge, 19: Oma konnte uns auseinanderhalten. Immer. Auch am Telefon. Das schaffen nicht mal unsere Lehrer.

Finja, 14: Als ich Liebeskummer hatte, hat Oma nicht gesagt, dass das vorbeigeht. Sie hat gesagt: „Das tut weh, ich weiß“, und hat mir den Rücken gekrault, bis ich eingeschlafen bin.

Mats, 9, hat mir seinen Satz diktiert: Oma hat immer zuerst mich gefragt und dann erst die Erwachsenen.

Und ich selbst? Ich habe vor zwei Jahren mein erstes Kind bekommen. Oma war da schon schlecht zu Fuß. Sie kam trotzdem ins Krankenhaus, hat meine Tochter genommen, mit diesen Händen, die so viele Neugeborene gehalten haben, wenn auch die meisten mit vier Beinen, hat sie lange angesehen und gesagt: „Na, du. Dich wollte ich noch kennenlernen.“ Es war das letzte Neugeborene, das sie im Arm hatte. Ich bin froh, dass es meines war.

Oma, du hast dein Leben lang Lämmer durch den ersten Winter gebracht. Uns sieben auch. Wir haben uns etwas versprochen: Die Hefte führen wir weiter, für unsere eigenen Kinder. Und wir nuscheln nicht.

Danke, Oma Rosi. Von allen sieben.

Alle Personen und Begebenheiten in den Beispielen sind frei erfunden, Ähnlichkeiten wären zufällig. Sie dürfen die Texte für Ihre eigene Rede frei verwenden und anpassen.

Was Enkel erzählen können und sonst niemand

Ihre Kinder haben sie als Erziehende erlebt, die Nachbarn als Nachbarin, die Kollegen als Kollegin. Enkel kennen eine andere Frau: eine mit Zeit, mit Nachsicht und mit Regeln, die nur bei ihr galten. Genau das macht eine Rede aus Enkelsicht für alle Trauergäste so wertvoll. Material finden Sie hier:

  • Die Sonderrechte: Was durften Sie nur bei ihr? Aufbleiben, Fernsehen beim Essen, Süßes vor dem Mittag.
  • Die Orte: ihre Küche, der Garten, die Schublade mit dem Spielzeug, Ihr Platz auf dem Sofa.
  • Die Rituale: das Kartenspiel, der Sonntagsausflug, der zugesteckte Schein beim Abschied, begleitet von „aber sag es nicht deiner Mutter“.
  • Ihre Sätze: wie sie sich am Telefon meldete, was sie an der Tür sagte.
  • Der zweite Blick: Wer mit vierzig über seine Großmutter spricht, sieht ihre Lebensleistung anders als mit zwanzig. Beide Blickwinkel sind gültig.

Aufbau: eine Trauerrede für die Oma in fünf Schritten

  1. Anrede und ein Satz dazu, wer Sie sind. Nicht alle Trauergäste kennen die Enkel.
  2. Ein Bild aus Ihrer Kindheit bei ihr.
  3. Wenige Eckdaten ihres Lebens: Herkunft, Beruf, was sie geleistet hat. Fragen Sie dafür Ihre Eltern, und überlassen Sie den ausführlichen Lebenslauf dem Trauerredner oder dem Pfarrer.
  4. Eine zweite Szene aus späterer Zeit, die zeigt, was geblieben ist.
  5. Dank und Abschied, direkt an sie gerichtet.

Für eine Rede zur Beerdigung der Oma sind drei Minuten ein guter Rahmen, denn meist spricht vor oder nach den Enkeln noch jemand aus der Generation der Eltern. Den allgemeinen Bauplan erklärt die Seite Aufbau einer Trauerrede.

Wenn mehrere Enkel gemeinsam sprechen

Das dritte Beispiel zeigt eine Form, die sich bewährt hat: Jedes Enkelkind steuert einen Satz oder eine kurze Erinnerung bei, und eine Person liest alles vor. So kommen auch die Jüngsten und die weit entfernt Wohnenden zu Wort, ohne dass jemand allein vorn stehen muss.

Sammeln Sie die Beiträge schriftlich, kürzen Sie behutsam und lassen Sie Kindersätze so, wie sie gesagt wurden. Gerade sie bleiben im Gedächtnis. Legen Sie eine Reihenfolge fest, etwa vom Ältesten zum Jüngsten. Den Schluss spricht, wer vorliest.

Für junge Enkel: zum ersten Mal vor vielen Menschen sprechen

Niemand erwartet von Ihnen eine geübte Rede. Lesen Sie ab, sprechen Sie langsamer, als es sich richtig anfühlt, und schauen Sie am Ende jedes Absatzes kurz auf. Wenn die Stimme bricht, warten Sie einfach. Die Menschen im Raum sind auf Ihrer Seite. Mehr dazu lesen Sie unter Trauerrede halten.

Wer nur ein oder zwei Minuten sprechen möchte, findet Vorlagen unter kurze Trauerrede. Beispiele für den Großvater stehen unter Trauerrede für den Opa. Und wenn Ihre Eltern ebenfalls sprechen, hilft ihnen die Seite Trauerrede für die Mutter.

Jeder Mensch ist einzigartig. Seine Rede sollte es auch sein.

Erst lesen, dann entscheiden. Einmalig 29 €, kein Abo.

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Häufige Fragen

Wie lang sollte eine Trauerrede für die Oma sein?

Zwei bis vier Minuten sind für Enkel angemessen. Sprechen mehrere Enkel einzeln, reicht eine Minute pro Person. Stimmen Sie die Länge mit Ihren Eltern und mit dem Bestatter, dem Pfarrer oder dem Trauerredner ab.

Dürfen Enkel bei der Beerdigung der Oma eine Rede halten?

Ja, und viele Familien schätzen das sehr. Sprechen Sie Ihren Wunsch früh mit Ihren Eltern ab und geben Sie dem Bestatter, dem Pfarrer oder dem Trauerredner Bescheid, damit Ihr Beitrag im Ablauf der Trauerfeier eingeplant wird.

Können auch kleine Kinder etwas beitragen?

Ja: mit einem diktierten Satz, der vorgelesen wird, mit einem gemalten Bild oder mit einer Blume, die sie nach vorn tragen. Drängen Sie kein Kind zum Sprechen. Ein Satz, den ein Erwachsener für das Kind vorliest, wirkt genauso.

Ich habe meine Oma zuletzt selten gesehen. Darf ich trotzdem sprechen?

Ja. Sprechen Sie über die Zeit, die Sie mit ihr hatten, oft ist das die Kindheit. Sie müssen nicht vorgeben, bis zuletzt eng gewesen zu sein. Auch ein ehrlicher Satz wie „Ich war in den letzten Jahren zu selten da“ hat in einer Rede Platz.

Kann ich eines der Beispiele als Vorlage verwenden?

Ja, alle drei Reden dürfen Sie als Vorlage frei kopieren und anpassen. Ersetzen Sie Beruf, Ort, Sätze und Szenen durch Ihre eigenen Erinnerungen. Wenn Sie lieber Fragen beantworten, als frei zu schreiben, hilft Ihnen unser Fragebogen.

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