Einleitung: Wie beginnt man eine Trauerrede?
Der erste Satz ist der schwerste. Er muss nichts erklären, er soll nur den Raum öffnen. Bewährt haben sich eine schlichte Anrede und gleich danach etwas, das nach dem Menschen klingt. Namen und Einzelheiten in allen Texten ersetzen Sie durch Ihre eigenen. Wo die Einleitung im Ganzen steht, zeigt der Aufbau einer Trauerrede.
Liebe Familie, liebe Freunde, wir sind heute hier, weil Helga uns fehlt. Jedem von uns auf eine andere Weise, und doch allen zugleich.
Ich habe lange überlegt, wie ich anfangen soll. Dann dachte ich: so, wie Vater jedes Gespräch begonnen hat. Mit der Frage, ob alle etwas zu trinken haben.
Wenn ich an meine Großmutter denke, sehe ich zuerst ihre Hände. Sie waren nie still, und sie waren immer warm.
Es gibt Menschen, bei denen man sich nicht vorstellen kann, dass sie einmal nicht mehr da sind. Werner war so ein Mensch. Deshalb fällt uns dieser Tag so schwer.
Ich bin keine geübte Rednerin. Aber ich war vierzig Jahre lang ihre Schwester, und das muss heute genügen.
Danke, dass Sie alle gekommen sind. Meine Mutter hätte so getan, als sei das nicht nötig gewesen, und sich insgeheim über jeden Einzelnen gefreut.
Vor drei Wochen saßen wir noch zusammen auf seiner Terrasse. Heute stehen wir hier. Dazwischen liegt eine Zeit, die ich noch nicht begreife.
Ein ganzes Leben passt nicht in fünf Minuten. Ich versuche es deshalb gar nicht erst. Ich erzähle Ihnen nur von dem Menschen, den ich gekannt habe.
Texte für Trauerreden über das Leben
Der Lebenslauf braucht keine Vollständigkeit. Zwei oder drei Stationen genügen, wenn sie zeigen, woher jemand kam und was ihn geprägt hat. Verbinden Sie Jahreszahlen mit einem Bild, dann bleiben sie im Ohr.
Karl wurde 1938 in Stettin geboren, als jüngstes von vier Kindern. Die Flucht hat er als Siebenjähriger erlebt. Gesprochen hat er selten darüber, vergessen hat er sie nie.
Mit sechzehn begann sie ihre Lehre im Kaufhaus am Markt. Vom ersten Lohn kaufte sie ihrer Mutter ein Paar Handschuhe. So blieb es: Erst kamen die anderen, dann sie.
1967 lernte er Ingrid beim Tanzen kennen. Er konnte nicht tanzen, und sie hat es ihm nie vorgehalten. Im Mai wären es 57 Ehejahre gewesen.
Das Haus im Birkenweg haben die beiden fast allein gebaut, Stein für Stein, an den Wochenenden. Es wurde der Ort, an den wir alle immer zurückkommen konnten.
Ihr Beruf war für sie mehr als Broterwerb. 34 Jahre lang hat sie Kindern das Lesen beigebracht, und noch im Ruhestand wurde sie beim Einkaufen von früheren Schülern gegrüßt.
Es war kein Leben für die Zeitung. Es war ein Leben aus Frühschichten, Schrebergarten und Sonntagsbraten. Für uns war es genau das richtige.
Zehn Fragen, etwa 8 Minuten. Die Vorschau ist kostenlos.
Den Charakter beschreiben
Eigenschaftswörter allein bleiben blass. Stärker ist ein Satz, der zeigt, wie sich eine Eigenschaft im Alltag geäußert hat. Die folgenden Texte verbinden deshalb jede Eigenschaft mit einer Beobachtung.
Er war kein Mann großer Worte. Wenn er jemanden mochte, reparierte er ihm etwas. Wer in unserer Familie ein Fahrrad besitzt, weiß, was ich meine.
Sie konnte zuhören wie kaum jemand. Man kam mit einem Problem zu ihr und ging mit einer Lösung, ohne dass sie einen einzigen Rat gegeben hätte.
Geduld gehörte nicht zu seinen Stärken. Wenn etwas zu langsam ging, machte er es selbst. Dafür konnte man sich auf ihn verlassen wie auf den Kalender.
Ihr Lachen hörte man durch drei Zimmer. Es kam plötzlich, es war zu laut, und es steckte jeden an. Im Haus ist es seitdem sehr still.
Er hatte seinen eigenen Kopf, und er wusste das. Mit ihm zu streiten war anstrengend. Sich mit ihm zu versöhnen war leicht, denn er trug nichts nach.
Großzügig war sie vor allem mit ihrer Zeit. Wer anrief, für den hatte sie eine Stunde, auch wenn auf dem Herd gerade etwas überkochte.
Dank aussprechen
Der Dank ist oft der Teil, der den Angehörigen am meisten bedeutet. Er darf sich an den Verstorbenen richten, aber auch an Menschen, die in der letzten Zeit geholfen haben.
Danke, Papa, dass du mir beigebracht hast, wie man einen Nagel gerade einschlägt und wie man sich entschuldigt. Beides brauche ich bis heute.
Ich danke dir für all die Abende, an denen du aufgeblieben bist, bis ich zu Hause war. Damals habe ich geschimpft. Heute weiß ich, was das war.
Im Namen der Familie danke ich den Schwestern und Pflegern der Station, die unsere Mutter in ihren letzten Wochen begleitet haben. Sie haben ihr und uns viel Angst genommen.
Danke an alle, die in den vergangenen Monaten gekocht, gefahren, angerufen und einfach ausgehalten haben. Ihr wisst, wer gemeint ist.
Wir danken dir für ein Zuhause, in dem die Tür nie abgeschlossen war und immer ein Teller mehr auf dem Tisch stand.
Für deine Freundschaft kann ich dir nicht mehr danken. Ich kann nur versuchen, anderen ein so guter Freund zu sein, wie du es mir warst.
Abschiedssätze für den Schluss
Der letzte Satz bleibt im Ohr. Er sollte kurz sein und sich leicht sprechen lassen, auch mit belegter Stimme. Viele sprechen den Verstorbenen hier direkt an. Solche Sätze eignen sich auch für wenige Worte am Grab, mehr dazu unter Grabrede.
Mach es gut, Mama. Wir kommen zurecht, das haben wir von dir gelernt.
Du fehlst. Das wird so bleiben, und es ist richtig so.
Wir lassen dich heute gehen. Aber wir nehmen mit, was du uns gegeben hast, und das ist viel.
Ruh dich aus, Opa. Du hast genug gearbeitet.
Ich weiß nicht, wo du jetzt bist. Ich weiß nur, dass du bei uns bleibst, in jedem Satz, der mit „Weißt du noch“ beginnt.
Leb wohl, mein Freund. Den nächsten Kaffee trinke ich für dich mit.
Wir sagen heute nicht nur Lebewohl. Wir sagen vor allem Danke.
Dein Platz bleibt frei. Aber leer ist er nicht, solange wir von dir erzählen.
Übergänge zwischen den Teilen
Übergänge halten eine Rede zusammen. Ein einziger Satz genügt, um vom Lebenslauf zur Erinnerung oder von der Erinnerung zum Dank zu kommen.
So viel zu den Daten. Aber wer Hannelore kannte, weiß: Das Wichtige stand nie in ihren Papieren.
Eine Geschichte möchte ich erzählen, weil sie alles über ihn sagt.
Das war der Walter, den alle kannten. Zu Hause gab es noch einen anderen.
Dann kam das letzte Jahr, und vieles wurde anders.
Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich etwas sagen, das mir schwerfällt und das trotzdem gesagt werden muss: Danke.
Texte bei einem plötzlichen Tod
Wenn jemand ohne Vorwarnung stirbt, darf die Rede das Unfassbare benennen. Sie muss es nicht erklären und nicht trösten, wo es noch keinen Trost gibt.
Niemand von uns war darauf vorbereitet. Am Dienstag haben wir noch telefoniert und über das Wochenende gesprochen. Dieses Wochenende gibt es jetzt nicht mehr.
Es gab keinen Abschied. Deshalb sage ich heute, was ich ihm gern noch gesagt hätte.
Ich suche nach einem Sinn und finde keinen. Vielleicht ist das heute auch nicht die Aufgabe. Heute geht es nur darum, beieinander zu sein.
Sie ist mitten aus dem Leben gegangen, mit vollem Kalender und gepackter Sporttasche. So behalten wir sie in Erinnerung: mittendrin.
Texte nach langer Krankheit
Nach einer langen Krankheit mischen sich Trauer und Erleichterung. Beides darf in der Rede vorkommen. Medizinische Einzelheiten gehören nicht hinein, wohl aber die Art, wie der Mensch diese Zeit getragen hat.
Die letzten Monate waren schwer. Er hat in dieser Zeit mehr nach uns gefragt als nach sich selbst. So war er immer, und die Krankheit hat daran nichts geändert.
Wir hatten Zeit, uns zu verabschieden. Das war ein Geschenk, auch wenn es sich nicht immer so angefühlt hat.
Die Krankheit hat ihr vieles genommen, zuletzt auch die Worte. Ihren Blick hat sie behalten, und mit ihm hat sie bis zum Schluss alles gesagt.
Ich bin traurig, und ich bin erleichtert, dass sie nicht mehr leiden muss. Beides ist wahr, und beides darf heute nebeneinanderstehen.
Erst lesen, dann entscheiden. Einmalig 29 €, kein Abo.
Häufige Fragen
Wie beginnt man eine Trauerrede?
Mit einer schlichten Anrede und einem Satz, der sofort etwas vom Verstorbenen zeigt: eine Gewohnheit, ein Bild, einen typischen Ausspruch. Entschuldigungen für die eigene Aufregung können Sie weglassen, die Trauergäste sind ohnehin auf Ihrer Seite.
Darf ich die Texte wörtlich übernehmen?
Ja, Sie dürfen jeden Text kostenlos verwenden, kürzen und umschreiben. Ersetzen Sie Namen, Orte und Einzelheiten durch Ihre eigenen, denn erst dadurch wird aus einer Vorlage Ihre Rede. Vollständige Reden zum Vergleich finden Sie bei den Mustern für Trauerreden.
Wie füge ich einzelne Texte zu einer Rede zusammen?
Wählen Sie je einen Text für Einleitung, Leben, Charakter, Dank und Abschied und verbinden Sie die Teile mit einem Übergang. Ergänzen Sie dann mindestens eine eigene Szene. Eine Anleitung in sieben Schritten finden Sie unter Trauerrede schreiben.
Kann ich Gedichte oder Zitate in die Trauerrede einbauen?
Das ist möglich, wenn der Text zum Verstorbenen passt. Prüfen Sie die Quelle sorgfältig, denn viele verbreitete Zitate werden falschen Urhebern zugeschrieben. Eigene, einfache Worte wirken oft persönlicher.
Was tue ich, wenn mir trotz der Texte die eigenen Worte fehlen?
Beginnen Sie nicht mit dem Schreiben, sondern mit dem Erinnern: typische Sätze, Gewohnheiten, kleine Szenen. Der Fragebogen führt Sie durch diese Fragen. Für sehr knappe Beiträge hilft auch die Seite kurze Trauerrede.