Trauerrede schreiben in 7 Schritten: der Überblick
Wie schreibt man eine Trauerrede, wenn man so etwas noch nie getan hat? Nicht in einem Zug und nicht vor einem leeren Bildschirm. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
- Erinnerungen sammeln
- Die Familie fragen
- Einen roten Faden wählen
- Die Gliederung festlegen
- Den ersten Entwurf schreiben
- Laut lesen und kürzen
- Das Blatt vorbereiten
Für eine Rede von 3 bis 5 Minuten brauchen Sie etwa 350 bis 650 Wörter, also ein bis anderthalb Seiten. Als Faustregel gilt: Bei ruhigem Tempo spricht man 110 bis 130 Wörter in der Minute. Sie müssen kein Buch schreiben, sondern wenige gute Absätze.
Schritt 1 und 2: Erinnerungen sammeln und die Familie fragen
Schritt 1: Erinnerungen sammeln
Beginnen Sie nicht mit dem ersten Satz der Rede, sondern mit einem Zettel. Schreiben Sie zwanzig Minuten lang alles auf, was Ihnen einfällt, ungeordnet und ohne zu werten. Diese Fragen helfen:
- Welchen Satz hat er oder sie ständig gesagt?
- Welcher Gegenstand gehört untrennbar zu diesem Menschen?
- Wo sehe ich ihn vor mir, wenn ich die Augen schließe, und was tut er dort?
- Was konnte sie besser als alle anderen, und was überhaupt nicht?
- Worüber haben wir zusammen gelacht?
- Wofür bin ich dankbar?
Schritt 2: Die Familie fragen
Rufen Sie danach zwei oder drei Menschen an: Geschwister, die beste Freundin, einen alten Kollegen. Fragen Sie nicht „Wie war er?“, sondern lieber: „Woran denkst du zuerst, wenn du an ihn denkst?“ So bekommen Sie Geschichten statt Eigenschaften. Klären Sie bei der Gelegenheit die Daten: Geburtsjahr, Orte, Beruf, Namen der Enkel. Wenig verunsichert am Pult so sehr wie eine Jahreszahl, bei der Sie nicht sicher sind.
Zehn Fragen, etwa 8 Minuten. Die Vorschau ist kostenlos.
Schritt 3: Einen roten Faden wählen
Sie werden mehr Material haben, als in fünf Minuten passt. Das ist gut so. Eine Rede wird nicht persönlich, weil sie alles erwähnt, sondern weil sie eines zeigt. Suchen Sie in Ihren Notizen das Motiv, das immer wiederkehrt:
- ein Ort: der Schrebergarten, die Werkbank, der Platz am Küchenfenster
- ein Satz: „Das kriegen wir hin“
- eine Eigenschaft, die sich in vielen Geschichten zeigt: Geduld, Sturheit, Gastfreundschaft
- ein Gegenstand: das Fahrrad, der Werkzeugkasten, das Adressbuch mit allen Geburtstagen
Der rote Faden eröffnet die Rede, taucht in der Mitte wieder auf und schließt sie am Ende. Ein Beispiel: Der Satz „Das kriegen wir hin“ steht am Anfang als Erinnerung an Opas Werkstatt, kehrt wieder, wenn es um die schweren Jahre geht, und wird im letzten Absatz zum Zuspruch an die Familie.
Was nicht zum roten Faden passt, dürfen Sie weglassen. Es geht nicht verloren: Erzählen Sie es beim Kaffee nach der Beisetzung.
Schritt 4 und 5: Gliederung und erster Entwurf
Schritt 4: Die Gliederung festlegen
Eine einfache Gliederung genügt: Anrede und Einstieg, das Leben in wenigen Stationen, der Mensch in zwei oder drei Szenen, Dank, Abschied. Wie viel Zeit jeder Teil bekommt, zeigt die Seite zum Aufbau einer Trauerrede.
Schritt 5: Den ersten Entwurf schreiben
Schreiben Sie den ersten Entwurf zügig herunter, am besten in einer Sitzung. Für diesen Durchgang gilt:
- Schreiben Sie, wie Sie sprechen: kurze Sätze, vertraute Wörter, „Papa“ statt „mein Vater“, wenn Sie ihn so genannt haben.
- Meiden Sie Sätze, die Sie im Alltag nie sagen würden. „Wir haben uns heute hier versammelt“ klingt nach Amt, „Schön, dass ihr alle gekommen seid“ klingt nach Ihnen.
- Beginnen Sie mit dem Teil, der Ihnen am leichtesten fällt. Der Einstieg kann zuletzt entstehen.
- Korrigieren Sie noch nichts. Ein holpriger Entwurf lässt sich verbessern, ein leeres Blatt nicht.
- Sie können in der Rede beide ansprechen: zuerst die Trauergäste, am Ende den Verstorbenen selbst.
Wenn Ihnen Formulierungen fehlen, finden Sie in den Texten für Trauerreden Einstiege, Übergänge und Abschiedssätze zum Anpassen.
Von der Behauptung zur Szene: ein Beispiel
Der häufigste Schwachpunkt selbst geschriebener Trauerreden sind Sätze, die auf jeden Menschen passen. Ein Beispiel:
Mein Opa war sehr hilfsbereit und immer für uns da.
Das stimmt sicher, aber niemand sieht dabei etwas vor sich. Fragen Sie sich: Woran habe ich das gemerkt? Wo war das, und was hat er dabei gesagt? Dann wird aus der Behauptung eine Szene:
Wenn einer von uns Enkeln mit plattem Reifen vom Schulweg kam, stellte Opa das Rad wortlos auf den Kopf und holte das Flickzeug aus der Kitteltasche. „Das kriegen wir hin“, sagte er. Zehn Minuten später fuhren wir wieder, und er wischte sich die Hände an der Hose ab, als wäre nichts gewesen.
Das Wort „hilfsbereit“ kommt nicht mehr vor, und doch weiß es jetzt jeder im Raum. So gehen Sie mit jeder Eigenschaft vor: ein Ort, eine Handlung, ein Satz in wörtlicher Rede. Zwei oder drei solcher Szenen tragen eine ganze Rede. Wie das in vollständigen Texten aussieht, zeigen die Muster und Beispiele für Trauerreden.
Schritt 6: Laut lesen und kürzen
Lesen Sie den Entwurf laut, im Stehen, mit der Uhr daneben. Erst dabei hören Sie, was auf dem Papier nicht auffällt:
- Sätze, bei denen Ihnen die Luft ausgeht. Teilen Sie sie.
- Wörter, über die Sie stolpern. Ersetzen Sie sie.
- Stellen, an denen Ihre Stimme bricht. Streichen Sie sie nicht, aber setzen Sie davor eine Pause.
- Aufzählungen von Eigenschaften und Wiederholungen. Hier dürfen Sie großzügig kürzen.
Ist die Rede zu lang, kürzen Sie zuerst Lebenslaufdaten, dann die schwächste Szene, zuletzt einzelne Adjektive. Bitten Sie danach jemanden aus der Familie, den Text zu lesen. Er prüft Namen und Daten und sagt Ihnen, ob sich jemand übergangen oder bloßgestellt fühlen könnte.
Wenn Ihnen beim lauten Lesen die Tränen kommen, heißt das nicht, dass Sie es nicht schaffen. Es gehört zur Vorbereitung, und mit jedem Durchgang wird es meist etwas leichter.
Schritt 7: Das Blatt für die Trauerfeier vorbereiten
Drucken Sie die Rede in großer Schrift, mindestens Schriftgröße 14, einseitig, mit breitem Zeilenabstand und nummerierten Seiten. Beginnen Sie jeden Gedanken in einem neuen Absatz, lassen Sie keinen Satz über einen Seitenwechsel laufen und markieren Sie Pausen mit einem Schrägstrich. Papier ist sicherer als ein Telefon, dessen Bildschirm sich abschalten kann.
Eine zweite Kopie geben Sie einer Vertrauensperson, die weiterliest, falls Sie nicht weitersprechen können. Mehr dazu steht im Ratgeber Trauerrede halten.
Trauerrede selbst schreiben, wenn die Zeit knapp ist
Zwischen Todesfall und Trauerfeier liegen oft nur wenige Tage, in denen vieles zu regeln ist. Wenn Sie nur einen Abend haben, schreiben Sie eine kurze Rede: eine Szene, ein Dank, ein Abschied. Zwei Minuten, die stimmen, sind besser als zehn, die sich ziehen. Beispiele dafür finden Sie auf der Seite kurze Trauerrede.
Manchen fällt das Erinnern leicht, aber das Formulieren schwer. Dann hilft es, die Erinnerungen zunächst nur als Antworten auf Fragen festzuhalten. Wenn Sie so vorgehen möchten, können Sie mit dem Fragebogen für Ihre persönliche Rede beginnen.
Erst lesen, dann entscheiden. Einmalig 29 €, kein Abo.
Häufige Fragen
Wie lang sollte eine Trauerrede sein?
Für Angehörige sind 3 bis 5 Minuten ein gutes Maß, das entspricht etwa 350 bis 650 Wörtern. Sprechen mehrere Personen, genügen 2 bis 3 Minuten pro Rede. Stimmen Sie die Länge mit dem Bestatter, dem Pfarrer oder dem Trauerredner ab.
Wie beginnt man eine Trauerrede?
Mit einer schlichten Anrede der Trauergäste und dann möglichst gleich mit etwas Konkretem: einem Bild, einem Satz, einer Gewohnheit des Verstorbenen. Eine lange Vorrede über die eigene Sprachlosigkeit brauchen Sie nicht.
Kann ich eine Trauerrede selber schreiben, wenn ich sonst nie schreibe?
Ja. Eine Trauerrede ist kein literarischer Text, sondern gesprochene Erinnerung. Wer zwei oder drei Szenen ehrlich und in eigenen Worten erzählt, hat das Wichtigste geschafft.
Was mache ich, wenn mir nichts einfällt?
Sehen Sie Fotos an, gehen Sie durch die Wohnung, nehmen Sie Gegenstände in die Hand. Fragen Sie Geschwister, Freunde oder Nachbarn nach ihrer ersten Erinnerung. Meist kommen die Geschichten, sobald jemand anfängt zu erzählen.
Darf ich in der Trauerrede auch Schwieriges ansprechen?
Sie müssen nichts beschönigen, aber die Trauerfeier ist nicht der Ort für offene Rechnungen. Oft genügt ein ehrlicher Satz wie „Er war nicht immer einfach“, wenn danach etwas folgt, das Sie an ihm geschätzt haben.