Beispiel 1: Sportverein, für den langjährigen Platzwart und Jugendtrainer
Liebe Helga, liebe Familie Hartmann, liebe Sportfreunde, verehrte Trauergäste,
im Namen des gesamten Vereins nehme ich heute Abschied von Günter Hartmann. Günter war 52 Jahre lang Mitglied bei uns, zuerst als linker Verteidiger, dann als Jugendtrainer und die letzten achtzehn Jahre als Platzwart. Aber mit Ämtern und Jahreszahlen ist über ihn wenig gesagt.
Wer samstags früh am Sportplatz vorbeikam, hat ihn gesehen: um sieben, bei jedem Wetter, mit dem Kreidewagen. Seine Linien waren gerade. Darauf hat er Wert gelegt. „Wenn der Platz ordentlich aussieht, spielen die Jungs auch ordentlich“, hat er gesagt. Es hat nicht immer gestimmt, aber am Platz hat es nie gelegen.
Fünfundzwanzig Jahre lang hat Günter unsere Jüngsten trainiert, die Fünf- und Sechsjährigen. Er hat mehr Schnürsenkel gebunden als jeder andere Mensch im Vogelsberg. Seine erste Regel kannte jedes Kind: „Erst die Schuhe zu, dann den Ball.“ Viele, die heute in unserer ersten Mannschaft spielen, haben bei ihm angefangen. Einige von ihnen stehen jetzt hier, erwachsene Männer, und wissen nicht, wohin mit ihren Händen.
Günter wollte nie geehrt werden. Als wir ihm zum fünfzigsten Jahr im Verein die goldene Nadel überreicht haben, hat er sie in die Jackentasche gesteckt und gefragt, wer nachher das Flutlicht ausmacht.
Liebe Helga, liebe Familie, ihr habt ihn oft mit uns teilen müssen, an ungezählten Samstagen und Sonntagen. Dafür danken wir euch von Herzen. Der Verein bleibt euch verbunden.
Am kommenden Sonntag spielen unsere Mannschaften mit Trauerflor, und vor dem Anpfiff wird es eine Minute still sein auf dem Platz. Die Linien ziehen wir selbst. Wir geben uns Mühe, Günter, dass sie gerade werden. Dein Verein verneigt sich vor dir. Danke für alles.
Zehn Fragen, etwa 8 Minuten. Die Vorschau ist kostenlos.
Beispiel 2: Freiwillige Feuerwehr, für ein Ehrenmitglied
Liebe Familie Wagner, liebe Kameradinnen und Kameraden, verehrte Trauergemeinde,
die Freiwillige Feuerwehr nimmt heute Abschied von ihrem Ehrenmitglied Josef Wagner, unserem Sepp. Mit siebzehn ist er eingetreten, vierundsechzig Jahre hat er dazugehört, zwölf davon als Kommandant. Es gibt in unserem Dorf kaum einen Hof, vor dem er nicht irgendwann mit dem Löschfahrzeug gestanden hat.
Sepp war Maschinist. Die Tragkraftspritze war sein Reich. Jeden Montagabend war er im Gerätehaus, auch wenn keine Übung war, und hat die Pumpe laufen lassen. „Eine Pumpe, die nicht anspringt, ist bloß Gewicht“, hat er gesagt. In seiner ganzen Dienstzeit ist sie immer angesprungen. Das war kein Glück. Das war Sepp.
Uns Jungen hat er beigebracht, wie man einen Schlauch rollt. Wer es schlampig machte, durfte es noch einmal machen, und dann noch einmal, so lange, bis Sepp brummte: „Passt.“ Mehr Lob gab es nicht, und mehr haben wir auch nicht gebraucht. Beim Hochwasser hat er drei Nächte lang am Aggregat gestanden und ist erst heimgegangen, als der letzte Keller leer war.
Auch als er längst nicht mehr ausrücken durfte, kam er zu jeder Übung. Er saß auf der Bank vor dem Gerätehaus, die Hände auf dem Stock, und hat zugeschaut. Wir haben uns alle ein bisschen mehr angestrengt, wenn er da saß.
Liebe Familie, wir danken euch, dass ihr ihn so viele Abende und so manche Nacht hergegeben habt. Wenn die Sirene ging, war er fort, und ihr habt gewartet.
Sepp, dein Dienst ist getan. Die Pumpe läuft, die Schläuche sind gerollt, und die Bank vor dem Gerätehaus bleibt deine. Deine Feuerwehr verneigt sich vor dir. Ruhe in Frieden, Kamerad.
Beispiel 3: Chor, für die Ehrenvorsitzende
Liebe Familie Bühler, liebe Sängerinnen und Sänger, liebe Trauergäste,
der Liederkranz trauert um seine Ehrenvorsitzende Hannelore Bühler. Einundsechzig Jahre lang hat sie bei uns im Alt gesungen, zweite Reihe, dritter Platz von links. Vierundzwanzig Jahre lang hat sie den Verein geführt. Und wenn ich ehrlich bin: Geführt hat sie ihn auch danach noch, nur ohne Amt.
Hannelore hatte in ihrer Handtasche immer eine Tüte Hustenbonbons. Wer in der Probe hüstelte, bekam wortlos eines gereicht, und wer danach noch hüstelte, bekam einen Blick. Ihr Satz war: „Wer nicht zur Probe kommt, kann nicht besser werden.“ Sie selbst hat in sechs Jahrzehnten kaum eine Probe versäumt. Einmal kam sie mit eingegipstem Arm. Noten halten, hat sie gesagt, gehe auch mit einer Hand.
Dass es unseren Chor noch gibt, verdanken wir ihr. Vor zwanzig Jahren hatten wir noch drei Männerstimmen, und viele meinten, das sei das Ende. Hannelore ist von Haustür zu Haustür gegangen, im ganzen Ort. Ihre Frage war immer dieselbe: „Kannst du brummen? Dann kannst du Bass.“ Sieben Männer hat sie auf diese Weise geholt. Fünf von ihnen singen heute noch, und gleich werden sie es für sie tun.
Sie hat den Notenschrank geordnet, die Geburtstagskarten geschrieben und bei jedem Konzert in der Pause nachgezählt, ob genug Stühle stehen. Sie hat den Verein nie als Bühne gesehen, sondern als einen Kreis von Menschen, die aufeinander achten.
Liebe Angehörige, wir wissen, wie viele Abende Hannelore uns geschenkt hat. Wir danken Ihnen, dass wir sie so lange bei uns haben durften.
Hannelore, dein Platz in der zweiten Reihe bleibt leer, wenn wir gleich für dich singen. Wir werden es spüren, und man wird es hören. Wir geben uns Mühe, sauber zu singen und pünktlich einzusetzen. Das sind wir dir schuldig. Danke für alles.
Alle Personen und Begebenheiten in den Beispielen sind frei erfunden, Ähnlichkeiten wären zufällig. Sie dürfen die Texte für Ihre eigene Rede frei verwenden und anpassen.
Im Namen des Vereins sprechen: Ihre Rolle
Als Vorsitzender sprechen Sie für viele. Ihre Aufgabe ist nicht, das ganze Leben des Verstorbenen zu erzählen. Das übernehmen die Familie, der Pfarrer oder der Trauerredner. Sie zeigen den Menschen dort, wo Ihr Verein ihn erlebt hat: am Spielfeldrand, im Gerätehaus, in der zweiten Reihe des Chors.
- Sprechen Sie in der Wir-Form. Sie vertreten die Mitglieder, nicht nur sich selbst.
- Nennen Sie Mitgliedsjahre und Ämter in einem einzigen Satz. Eine Aufzählung aller Ehrungen ermüdet die Trauergäste.
- Erzählen Sie eine Szene, an der man den Menschen wiedererkennt: den Kreidewagen, die Hustenbonbons, das „Passt“.
- Danken Sie der Familie. Ein Ehrenamt kostet Abende und Wochenenden, die zu Hause gefehlt haben.
- Sagen Sie, was der Verein tun wird: Trauerflor, eine Schweigeminute, ein freier Platz.
Wie lang darf eine Trauerrede für ein Vereinsmitglied sein?
Zwei bis drei Minuten sind ein guter Rahmen, das sind etwa 250 bis 350 Wörter. Bei einer Beerdigung sprechen oft mehrere Menschen: Pfarrer oder Trauerredner, Angehörige, manchmal auch der Arbeitgeber und weitere Vereine. Je mehr Redner es gibt, desto kürzer sollte jeder einzelne Beitrag sein. Wie man in zwei Minuten etwas Wesentliches sagt, zeigen die Beispiele unter kurze Trauerrede.
Wird am offenen Grab gesprochen, gelten eigene Bedingungen: Wind, kein Pult, stehende Trauergäste. Hinweise dazu finden Sie auf der Seite Grabrede.
Abstimmung mit Familie, Pfarrer oder Trauerredner
Fragen Sie die Familie, bevor Sie etwas planen. Nicht alle Angehörigen wünschen Reden von Vereinen, und diesen Wunsch gilt es zu achten. Oft ist der Bestatter der richtige erste Ansprechpartner, weil er den Ablauf kennt.
- Ob und wo: Klären Sie, ob der Verein sprechen darf, und ob in der Trauerhalle, in der Kirche oder am Grab. Wer wann an der Reihe ist, legt meist der Pfarrer oder Trauerredner fest. Mehr dazu unter Rede bei einer Beerdigung.
- Wie lang: Fragen Sie nach der gewünschten Dauer und halten Sie sich daran.
- Äußeres Zeichen: Stimmen Sie Kranz, Fahnenabordnung, Uniform oder ein Lied des Chors vorher ab.
- Fakten prüfen: Eintrittsjahr, Ämter und Ehrungen entnehmen Sie der Vereinschronik, nicht dem Gedächtnis. Fragen Sie auch nach der richtigen Aussprache des Namens und danach, wie die Familie angesprochen werden möchte.
Aufbau in vier Schritten und die Rede für einen Ehrenvorsitzenden
- Anrede und Auftrag: zuerst die Familie, dann die Mitglieder und Trauergäste. Sagen Sie, in wessen Namen Sie sprechen.
- Zugehörigkeit in einem Satz: Eintritt, wichtigste Ämter, Ehrenmitgliedschaft.
- Eine Szene und ein Satz: das, woran jeder im Verein sofort denkt.
- Dank und Abschied: Dank an die Familie, dann wenige Worte direkt an den Verstorbenen.
Eine Trauerrede für einen Ehrenvorsitzenden folgt demselben Muster. Sie darf etwas ausführlicher würdigen, was unter seiner Leitung entstanden ist. Wählen Sie auch hier ein Beispiel aus, etwa das gebaute Vereinsheim oder den geretteten Chor, statt eine Liste vorzutragen.
Sie dürfen die Muster dieser Seite frei übernehmen und anpassen. Wenn Sie den Verstorbenen vor allem als Freund gekannt haben, finden Sie weitere Anregungen unter Trauerrede für einen Freund. Wie Sie Ihr Blatt vorbereiten und ruhig vortragen, lesen Sie unter Trauerrede halten.
Erst lesen, dann entscheiden. Einmalig 29 €, kein Abo.
Häufige Fragen
Wer hält die Trauerrede für ein Vereinsmitglied?
In der Regel spricht der Vorsitzende oder sein Stellvertreter. Stand ein anderes Mitglied dem Verstorbenen besonders nahe, etwa der langjährige Trainerkollege, kann auch diese Person im Namen des Vereins sprechen. Wichtig ist, dass nur eine Person für den Verein redet.
Müssen wir die Familie vorher fragen?
Ja. Die Familie entscheidet, wer bei der Trauerfeier spricht. Fragen Sie früh und bieten Sie an, den Text vorab zu zeigen. Wenn die Angehörigen keine Rede wünschen, kann der Verein seine Anteilnahme mit einem Kranz, einer Kondolenz oder einem Nachruf ausdrücken.
Spricht der Verein in der Trauerhalle oder am Grab?
Beides kommt vor. Das hängt vom Ablauf ab, den die Familie mit dem Pfarrer, dem Trauerredner oder dem Bestatter abgestimmt hat. Fragen Sie dort nach, an welcher Stelle Ihr Beitrag vorgesehen ist, und richten Sie die Länge danach aus.
Was ist, wenn ich den Verstorbenen kaum persönlich kannte?
Fragen Sie zwei oder drei ältere Mitglieder nach einer Erinnerung und nach einem typischen Satz des Verstorbenen. Eine einzige echte Begebenheit aus dem Vereinsleben genügt. Sagen Sie ruhig, von wem Sie die Geschichte gehört haben, das wirkt ehrlicher als gespielte Nähe.
Duze oder sieze ich die Familie in der Rede?
Richten Sie sich danach, wie Sie im Alltag miteinander sprechen. Kennen Sie die Ehefrau seit Jahren vom Sportplatz, ist das Du richtig. Kennen Sie die Angehörigen nicht, wählen Sie das Sie. Den Verstorbenen dürfen Sie am Schluss so ansprechen, wie Sie es im Verein getan haben.
Dürfen wir die Muster auf dieser Seite für unseren Verein verwenden?
Ja, Sie dürfen alle Beispiele frei übernehmen und anpassen. Ersetzen Sie die Szenen durch Begebenheiten aus Ihrem Vereinsleben, damit die Mitglieder ihren Kameraden oder ihre Sängerin darin wiedererkennen.