Trauerrede halten: was die Trauergäste wirklich erwarten
Niemand in der Trauerhalle erwartet einen geübten Redner. Die Trauergäste wissen, dass dort jemand steht, der selbst trauert. Sie hören wohlwollend zu, und eine stockende Stimme nimmt Ihnen niemand übel.
Zwei Sorgen dürfen Sie deshalb gleich ablegen. Erstens: Sie dürfen die Trauerrede ablesen, Wort für Wort. Das ist üblich und gibt Halt. Zweitens: Sie müssen nicht ohne Tränen durchkommen. Das Ziel ist kein makelloser Vortrag, sondern dass Ihre Worte ankommen.
Wenn Sie noch unsicher sind, ob Sie überhaupt sprechen möchten: Das müssen Sie nicht heute entscheiden. Schreiben Sie die Rede zuerst. Wer sie vorträgt, können Sie danach festlegen. Wichtig ist nur, dass eine zweite Person bereitsteht.
Das Blatt vorbereiten
Ein gutes Blatt nimmt Ihnen am Pult viel Arbeit ab. Bereiten Sie es so vor, dass Sie es auch mit feuchten Augen und unruhigen Händen lesen können:
- Große Schrift: mindestens Schriftgröße 14, besser 16, mit breitem Zeilenabstand.
- Kurze Absätze: ein Gedanke pro Absatz, dazwischen eine Leerzeile. So finden Sie nach jedem Blick zu den Gästen sofort zurück.
- Markierte Pausen: ein Schrägstrich für eine kurze Pause, zwei für eine lange. Unterstreichen Sie Wörter, die Sie betonen möchten.
- Einseitig drucken und nummerieren. Legen Sie die Seiten lose in eine feste Mappe. Zur Seite schieben ist leiser und sicherer als Wenden.
- Kein Satz über den Seitenwechsel. Jede Seite beginnt mit einem neuen Absatz.
- Papier statt Telefon. Ein Bildschirm kann sich abschalten, ein Blatt nicht.
Drucken Sie zwei Exemplare. Das zweite bekommt die Person, die im Notfall für Sie weiterliest.
Zehn Fragen, etwa 8 Minuten. Die Vorschau ist kostenlos.
Laut proben: die Trauerrede vortragen üben
Lesen Sie die Rede mindestens dreimal laut, im Stehen und in dem Tempo, das Sie sich für die Trauerfeier vornehmen. Stilles Lesen ersetzt das nicht. Erst beim Sprechen merken Sie, wo Sätze zu lang sind und wo die Stimme bricht.
- Stoppen Sie die Zeit und vergleichen Sie sie mit dem, was mit Bestatter, Pfarrer oder Trauerredner vereinbart ist.
- Markieren Sie die Stellen, an denen Ihnen die Tränen kommen. Meist sind es dieselben zwei oder drei Sätze. Üben Sie genau diese öfter. Häufig verlieren sie mit jeder Wiederholung etwas von ihrer Wucht.
- Lesen Sie die Rede einmal einem vertrauten Menschen vor. Das ist die beste Generalprobe.
- Prägen Sie sich den ersten und den letzten Satz gut ein. Ein sicherer Anfang gibt Ruhe, und den Schluss können Sie dann mit Blick zu den Gästen oder zum Sarg sprechen.
Wenn der Text beim Proben zu lang oder zu sperrig wirkt, kürzen Sie ihn. Wie das geht, steht in der Anleitung Trauerrede schreiben.
Tempo, Atmung und Pausen
Wer aufgeregt ist, spricht meist zu schnell. Nehmen Sie sich ein Tempo vor, das Ihnen selbst fast zu langsam vorkommt. Als Richtwert gelten 110 bis 130 Wörter in der Minute. In einer Trauerhalle mit viel Hall darf es noch etwas langsamer sein.
- Bevor Sie beginnen: Mappe ablegen, beide Füße fest auf den Boden, einmal ruhig ausatmen. Dann erst die Anrede.
- Atmen Sie am Ende jedes Absatzes. Dafür ist die Leerzeile auf dem Blatt da.
- Pausen kommen Ihnen am Pult viel länger vor als den Zuhörenden. Für die Gäste sind sie Zeit zum Nachdenken.
- Senken Sie am Satzende die Stimme. Das klingt ruhig und gibt Ihnen einen Moment Luft.
- Wenn Sie sich versprechen, wiederholen Sie das Wort ruhig oder lesen Sie einfach weiter. Niemand zählt mit.
Trauerrede ohne Tränen? Was hilft, wenn die Stimme bricht
Viele wünschen sich, die Trauerrede ohne Tränen vorzutragen. Das ist verständlich, aber kein Maßstab. Tränen gehören an diesen Ort, auch ans Rednerpult. Wichtig ist nur, dass Sie wissen, was Sie dann tun:
- Anhalten. Sprechen Sie nicht gegen die Tränen an. Hören Sie mitten im Satz auf, wenn es sein muss.
- Auf das Blatt sehen und ausatmen. Zwei, drei ruhige Atemzüge. Niemand wird ungeduldig.
- Einen Schluck Wasser trinken. Stellen Sie vorher ein Glas ans Pult. Das Trinken verschafft Ihnen Zeit und tut der Stimme gut.
- Neu ansetzen. Lesen Sie den angefangenen Satz noch einmal von vorn.
- Wenn es nicht geht: abgeben. Vereinbaren Sie vorher mit einem vertrauten Menschen ein Zeichen. Er kommt nach vorn und liest mit seinem Exemplar an der Stelle weiter, an der Sie aufgehört haben. Sie können daneben stehen bleiben.
Schon das Wissen um diesen Plan nimmt viel Druck. Weiterlesen kann ein Familienmitglied, ein Freund oder nach Absprache auch der Trauerredner oder der Bestatter.
Mikrofon, Pult und Blick
Ein paar praktische Dinge klären Sie am besten, bevor die Feier beginnt:
- Mikrofon: Bitten Sie den Bestatter oder das Friedhofspersonal, es Ihnen vorher kurz zu zeigen. Sprechen Sie etwa eine Handbreit davor in normaler Lautstärke, und drehen Sie den Kopf nicht weg, wenn Sie aufs Blatt sehen.
- Ohne Mikrofon: Richten Sie die Stimme an die letzte Reihe und sprechen Sie noch etwas langsamer.
- Pult: Legen Sie die Mappe ab, statt sie in der Hand zu halten. So fällt es nicht auf, wenn die Hände zittern. Am Grab gibt es meist kein Pult, dort hilft eine feste Mappe oder ein Klemmbrett. Mehr dazu auf der Seite Grabrede.
- Blick: Sie müssen niemanden ansehen. Wer mag, hebt am Absatzende kurz den Blick, knapp über die Köpfe oder zu einem freundlichen Gesicht in der Mitte. In schwierigen Passagen meiden Sie besser den Blick zu den Menschen, deren Weinen Sie mitreißt.
Der Tag der Trauerfeier: kleine Checkliste
- zwei Ausdrucke der Rede in fester Mappe, einer bei Ihnen, einer bei der Person, die notfalls weiterliest
- Lesebrille, Taschentücher, ein Glas Wasser am Pult
- rechtzeitig da sein, einmal ans Pult treten, den Weg dorthin gehen
- mit dem Bestatter oder Redner klären, wann Sie an der Reihe sind und wer Sie ankündigt
- Telefon ausschalten
- kurz vor dem Aufstehen ausatmen, dann langsam nach vorn gehen
Wenn Ihnen eine lange Rede zu viel wird, ist eine kurze keine schlechtere. Zwei Minuten reichen für ein Bild, einen Dank und einen Abschied. Beispiele finden Sie auf der Seite kurze Trauerrede. Wer noch nie vor Menschen gesprochen hat, findet unter Rede für eine Beerdigung Texte für genau diese Lage. Und falls Ihr Text noch nicht steht, können Sie mit dem Fragebogen für Ihre Rede beginnen.
Nach der Rede
Bleiben Sie nach dem letzten Satz einen Atemzug lang stehen, bevor Sie die Mappe nehmen und langsam an Ihren Platz zurückgehen. Sie müssen nichts mehr sagen und niemandem etwas erklären.
Bewahren Sie den Text auf. Viele Familien legen ihn zu den Erinnerungsstücken oder geben eine Kopie an Angehörige, die nicht dabei sein konnten.
Erst lesen, dann entscheiden. Einmalig 29 €, kein Abo.
Häufige Fragen
Darf ich die Trauerrede ablesen?
Ja. Ablesen ist bei Trauerreden üblich und gibt Sicherheit. Entscheidend ist ein gut lesbares Blatt mit großer Schrift und kurzen Absätzen, damit Sie zwischendurch aufsehen und leicht zurückfinden können.
Was mache ich, wenn ich während der Rede weinen muss?
Halten Sie an, atmen Sie aus, trinken Sie einen Schluck Wasser und setzen Sie beim Satzanfang neu an. Die Trauergäste warten geduldig. Für den Fall, dass es nicht weitergeht, vereinbaren Sie vorher mit einer vertrauten Person, dass sie weiterliest.
Wie schnell sollte ich sprechen?
Langsamer, als es Ihnen natürlich vorkommt. Ein Richtwert sind 110 bis 130 Wörter in der Minute, mit einer Atempause nach jedem Absatz.
Soll ich die Trauerrede auswendig lernen?
Das ist nicht nötig und an einem solchen Tag auch riskant. Es genügt, wenn Sie den ersten und den letzten Satz gut kennen und den Rest vom Blatt lesen.
Was, wenn ich mich am Tag der Beerdigung doch nicht in der Lage fühle?
Dann liest jemand anderes Ihren Text: ein Familienmitglied, ein Freund oder nach Absprache der Trauerredner, der Pfarrer oder der Bestatter. Die Worte bleiben Ihre, auch wenn eine andere Stimme sie vorträgt. Sprechen Sie diese Möglichkeit vorher ab.