Beispiel 1: Für den Großvater, sehr knapp
Liebe Familie, Opa mochte keine langen Reden. Bei Geburtstagen hat er nach dem zweiten Satz auf die Uhr geschaut. Ich mache es also kurz, so wie er es gewollt hätte.
Hermann wurde 87 Jahre alt. 41 davon war er bei der Post in Celle und fast genauso lange bei seinen Bienen. Sechs Völker standen hinter dem Haus am Waldrand. Er ging ohne Schleier zu ihnen. „Wer ruhig bleibt, wird nicht gestochen“, hat er gesagt. Das galt bei ihm nicht nur für Bienen. Im Dorf hieß er nur der Bienen-Hermann, und er hat sich nie dagegen gewehrt.
Als ich zehn war, durfte ich zum ersten Mal eine Wabe halten. Meine Hände haben gezittert. Er hat seine daruntergelegt und nichts gesagt. So hat er einem alles beigebracht: daneben stehen, festhalten, schweigen.
Jedes Enkelkind bekam zum Geburtstag ein Glas Honig mit handgeschriebenem Etikett. Jahrgang, Tracht und darunter in Druckbuchstaben unser Name. Ich habe noch eins von 2019. Ich werde es nicht aufmachen.
Oma, er hat dich jeden Morgen gefragt, ob du gut geschlafen hast. Achtundfünfzig Jahre lang. Ich finde, mehr muss man über ihn nicht wissen.
Opa, du hast uns gezeigt, dass man mit Ruhe weiter kommt als mit Lärm. Wir bleiben ruhig. Wir halten fest. Danke für jedes Glas.
Zehn Fragen, etwa 8 Minuten. Die Vorschau ist kostenlos.
Beispiel 2: Für die Ehefrau, schlicht und nah
Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Kolleginnen von Station 4, ich bin kein Redner. Bei uns hat Birgit geredet, ich habe genickt. Das hat 36 Jahre gut funktioniert. Heute versuche ich es einmal allein.
Birgit war Krankenschwester in Lübeck, die meiste Zeit im Nachtdienst. Sie fand, nachts seien die Menschen ehrlicher. Wenn sie morgens um sieben heimkam, zog sie am Küchentisch die Schuhe aus und erzählte. Nie Namen, nie Krankheiten. Nur: „Heute hat einer zum ersten Mal wieder gelacht.“ Das war ihr Lohn.
Sie konnte an keinem Menschen vorbeigehen, dem es schlecht ging. Im Supermarkt, am Bahnhof, im Urlaub auf Fehmarn. Ich stand oft mit zwei Eiswaffeln daneben, die langsam schmolzen, während sie einer fremden Frau den Arm hielt. Ich war jedes Mal stolz.
Zu Hause war sie die Laute von uns beiden. Sie hat beim Kochen gesungen, beim Fußball geschimpft und beim Kartenspielen so schlecht geblufft, dass wir sie gewinnen ließen. Jan, Svenja, das Lachen habt ihr von ihr. Von mir habt ihr nur die Ohren.
Im letzten Jahr hat sich alles umgedreht. Auf einmal lag sie im Bett, und andere kamen nachts herein. Sie hat jede Schwester nach ihrem Namen gefragt und sich für jedes Glas Wasser bedankt. Sie wusste ja, was das bedeutet.
Birgit, du hast so vielen Menschen durch die Nacht geholfen. In deinen Nächten saß ich neben dir. Mehr konnte ich nicht tun, und du hast gesagt, das reicht.
Schlaf gut. Das Licht im Flur lasse ich an.
Beispiel 3: Für den Bruder, mit einem klaren Bild
Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Kollegen von der Spedition, mein Bruder Thomas hat mehr Kilometer gemacht als wir alle zusammen. Dreißig Jahre Fernverkehr, von Fulda bis Porto, von Fulda bis Tallinn. Und trotzdem war er in unserer Familie derjenige, der immer da war.
Das klingt wie ein Widerspruch. Es war keiner. Thomas hat jeden Sonntag um elf angerufen, egal wo er stand. „Na, Schwesterchen, was macht die Heimat?“ Ich habe ihm vom Wetter in Fulda erzählt, er mir vom Wetter am Brenner. Zwanzig Minuten, nie länger. Er hat sogar beim Telefonieren auf die Lenkzeit geachtet.
Als Kinder haben wir uns ein Zimmer geteilt, er oben im Etagenbett, ich unten. Abends hat er mir Länder aufgezählt, in die er einmal fahren wollte. Ich dachte, er spinnt. Er hat sie fast alle gesehen, durch eine Windschutzscheibe, eine Tüte Lakritz auf dem Armaturenbrett.
Von jeder Tour hat er unserer Mutter eine Postkarte geschickt. Keine Sehenswürdigkeiten, die hat er ja nie gesehen. Raststätten, Häfen, Industriegebiete. Hinten stand immer derselbe Satz: „Bin gut angekommen.“ Mama hat alle aufgehoben. Es sind vier Schuhkartons.
Über sich selbst hat Thomas wenig gesprochen. Aber als mein Mann vor acht Jahren auszog, stand am nächsten Abend eine Zugmaschine in unserer Straße. Thomas hatte eine Tour getauscht. Er hat nichts gefragt. Er hat den Rasen gemäht, das Garagentor repariert und ist am Morgen weitergefahren.
Seine Kollegen haben mir erzählt, dass er auf den Rastplätzen den Jungen gezeigt hat, wie man Ladung richtig sichert. Und dass er immer einen zweiten Becher dabeihatte. Das passt zu ihm.
Thomas, du fehlst am Sonntag um elf. Das Telefon bleibt still, und ich schaue trotzdem hin. Du hast immer geschrieben, dass du gut angekommen bist. Ich will glauben, dass das auch diesmal stimmt.
Gute Fahrt, großer Bruder.
Alle Personen und Begebenheiten in den Beispielen sind frei erfunden, Ähnlichkeiten wären zufällig. Sie dürfen die Texte für Ihre eigene Rede frei verwenden und anpassen.
Wann eine kurze Trauerrede die richtige Wahl ist
Kurz zu sprechen ist in vielen Situationen die bessere Entscheidung: wenn mehrere Personen reden, wenn der Pfarrer oder die Trauerrednerin bereits das Leben würdigt, wenn am Grab gesprochen wird oder wenn Sie wissen, dass Ihre Stimme nicht lange trägt. Auch der Verstorbene selbst kann der Grund sein. Wer zeitlebens wenig Worte gemacht hat, wird durch eine knappe Rede treffender beschrieben als durch eine ausführliche.
Als Richtwert gelten 110 bis 130 gesprochene Wörter pro Minute. Eine Rede von zwei Minuten hat also 220 bis 260 Wörter, das ist weniger als eine Seite. Worte direkt am Grab dürfen noch kürzer sein, Beispiele dafür finden Sie auf der Seite Grabrede.
Vorlage: Aufbau für eine kurze Trauerrede von zwei Minuten
Dieses Gerüst können Sie als Vorlage nutzen. Es folgt dem üblichen Aufbau einer Trauerrede, nur mit einem einzigen Gedanken pro Teil.
- Anrede und erster Satz (etwa 30 Wörter): Begrüßen Sie die Trauergäste und sagen Sie sofort etwas Typisches über den Menschen. Keine Vorrede über die eigene Aufregung.
- Wer er oder sie war (etwa 60 Wörter): Name, Alter, ein oder zwei Lebensdaten, dazu der Beruf oder die Leidenschaft. Mehr Lebenslauf braucht es nicht.
- Eine Szene (etwa 80 Wörter): Ein Augenblick, den man vor sich sieht. Er ersetzt zehn Eigenschaftswörter.
- Dank oder ein Wort an die Nächsten (etwa 40 Wörter): Ein Satz an die Witwe, die Kinder, die Pflegenden.
- Abschied (etwa 30 Wörter): Sprechen Sie den Verstorbenen direkt an und greifen Sie das Bild vom Anfang noch einmal auf.
Was Sie zuerst streichen können
Fast jeder erste Entwurf ist doppelt so lang wie geplant. Streichen Sie in dieser Reihenfolge:
- Vorreden: „Es fällt mir schwer, hier zu stehen“ wissen alle. Beginnen Sie mit dem Menschen.
- Den vollständigen Lebenslauf: Schulen, Umzüge, Jahreszahlen. Zwei Stationen genügen.
- Aufzählungen von Eigenschaften: „hilfsbereit, fleißig, humorvoll“ sagt wenig. Behalten Sie die eine Szene, die es zeigt.
- Die zweite und dritte Anekdote: Eine gute Geschichte wirkt stärker als drei halbe.
- Einzelnen Dank an viele Personen: Danken Sie gesammelt oder später beim Trauerkaffee.
- Den Krankheitsverlauf: Ein Satz reicht, oft auch keiner.
Lesen Sie danach laut und mit Uhr. Wenn Sie beim Lesen hetzen müssen, ist der Text noch zu lang.
Kurz und trotzdem persönlich
Persönlich wird eine kurze Rede nicht durch viele Einzelheiten, sondern durch die richtige. Ein typischer Satz, eine Handbewegung, ein Gegenstand: das Honigglas mit dem Etikett, der Anruf am Sonntag um elf. Fragen Sie sich, woran Sie den Menschen mit geschlossenen Augen erkannt hätten, und bauen Sie die Rede um diese Antwort.
Für die häufigsten Anlässe gibt es eigene Seiten mit weiteren Beispielen für kurze Trauerreden: die kurze Trauerrede für die Mutter und die kurze Trauerrede für den Vater. Wenn Sie Ihre Erinnerungen erst einmal sammeln möchten, hilft Ihnen der Fragebogen dabei, das Wesentliche zu finden.
Erst lesen, dann entscheiden. Einmalig 29 €, kein Abo.
Häufige Fragen
Wie lang ist eine kurze Trauerrede?
Meist zwischen anderthalb und drei Minuten, das entspricht etwa 200 bis 350 Wörtern. Das genügt für eine Anrede, ein paar Sätze zum Leben, eine Szene und den Abschied.
Wirkt eine kurze Rede lieblos?
Nein, solange sie konkret ist. Lieblos wirken allgemeine Sätze, die auf jeden passen würden, und die gibt es in langen Reden ebenso. Zwei Minuten mit einer echten Erinnerung zeigen mehr Zuneigung als zehn Minuten Aufzählung.
Wie viele Wörter hat eine Rede von zwei Minuten?
Bei ruhigem Sprechtempo etwa 220 bis 280 Wörter. Planen Sie Pausen ein, denn bei einer Trauerfeier spricht man langsamer als im Alltag.
Darf ich eine kurze Trauerrede ablesen?
Ja, das ist üblich und völlig in Ordnung. Drucken Sie den Text in großer Schrift aus und markieren Sie Pausen. Mehr dazu lesen Sie unter Trauerrede halten.
Was tun, wenn mehrere Angehörige sprechen möchten?
Dann sind kurze Beiträge besonders sinnvoll. Sprechen Sie ab, wer worüber redet, damit sich nichts wiederholt, und nennen Sie dem Bestatter oder dem Pfarrer die Reihenfolge und die ungefähre Dauer.