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Humorvolle Trauerrede: Beispiele, in denen ein Lächeln Platz hat

Manche Menschen kann man nicht beschreiben, ohne dass jemand schmunzelt. Eine humorvolle Trauerrede nimmt das ernst: Sie erzählt von den Eigenheiten, über die schon zu Lebzeiten alle gelacht haben, und bleibt dabei respektvoll. Hier finden Sie drei vollständige Beispiele und Hinweise, wie Sie Heiterkeit dosieren, vorher testen und danach wieder leise werden.

Beispiel 1: Der Vater, der immer zu spät kam

ca. 4 Minuten vom Sohn gesprochen weltliche Trauerfeier

Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Nachbarn aus Nippes, wir haben heute pünktlich um elf angefangen. Das ist das Einzige an dieser Feier, das nicht zu meinem Vater passt. Horst ist in 81 Jahren zu keinem Termin rechtzeitig erschienen, und er fände es unehrlich, wenn ich das heute verschweige.

„Pünktlich ist, wer vor dem Nachtisch da ist.“ Das war sein Grundsatz. Er kam zu spät zu meiner Einschulung, zu meiner Hochzeit und, das hat Mama ihm nie ganz verziehen, zu seiner eigenen. Zwanzig Minuten stand sie 1968 vor dem Standesamt. Dann bog er um die Ecke, ölverschmierte Hände, strahlend. Er hatte unterwegs einem Fremden Starthilfe gegeben. Mama sagt, in dem Moment habe sie gewusst, worauf sie sich einlässt. Sie hat trotzdem Ja gesagt.

So war es immer. Papa kam nie zu spät, weil ihm etwas gleichgültig war. Er kam zu spät, weil ihm unterwegs jemand begegnet ist. Eine Nachbarin mit einem kaputten Radio. Ein Kind mit abgesprungener Fahrradkette. Ein Mann, der nur nach dem Weg fragen wollte und eine halbe Stunde später Papas Meinung zur Aufstellung vom Wochenende kannte.

Er war Fernsehtechniker mit einem kleinen Laden in Köln-Nippes, 34 Jahre lang. Reich geworden ist er damit nicht, weil er die halbe Kundschaft nicht bezahlen ließ. „Die Frau Schmitz hat doch nur die kleine Rente.“ Dafür hatten wir immer Eier, Pflaumenmus und einmal ein lebendes Kaninchen.

Was Papa nicht reparieren konnte, hat er mit Isolierband behandelt. Den Staubsauger, seine Brille, den Auspuff unseres Kadetts. Meine Schwester ist mit einem Schulranzen in die fünfte Klasse gegangen, der zu einem Drittel aus schwarzem Klebeband bestand. Sie hat ihm das inzwischen vergeben. Glaube ich.

Und er hat gehandelt. Überall. Auf dem Flohmarkt, das versteht man noch. Aber auch im Möbelhaus, beim Zahnarzt und einmal, ich stand daneben und wollte im Boden versinken, in der Apotheke. Er hat tatsächlich zehn Prozent bekommen. Auf Hustensaft. Die Apothekerin hat uns letzte Woche geschrieben, er sei ihr liebster Kunde gewesen.

Im vergangenen Winter hat sich etwas verändert. Wenn ich ihn abholen kam, saß er schon im Mantel am Fenster. Pünktlich, zum ersten Mal in seinem Leben. Ich habe Witze darüber gemacht, und er hat mitgelacht. Aber wir wussten beide, was es bedeutet. Er hatte nicht mehr die Kraft, sich unterwegs aufhalten zu lassen.

In diesen Wochen haben wir viel geredet, auch das war neu. Er hat gesagt, dass er nichts bereut. Nur, dass er Mama damals hat warten lassen. Und nach einer Pause: „Aber der Mann wäre sonst nicht weggekommen, Junge.“ Das war mein Vater. Bis zum Schluss.

Papa, wir haben unser halbes Leben auf dich gewartet. Vor dem Kino, am Bahnsteig, vor kalt gewordenem Essen. Ich habe oft geschimpft. Heute gäbe ich viel dafür, noch einmal zwanzig Minuten auf dich zu warten, und dann biegst du um die Ecke, mit schmutzigen Händen und diesem Grinsen.

Lass dir Zeit, wo immer du jetzt unterwegs bist. Hilf, wem du helfen musst. Wir kommen zurecht. Und vom Nachtisch heben wir dir etwas auf.

So eine Rede, aber über Ihren Menschen

Zehn Fragen, etwa 8 Minuten. Die Vorschau ist kostenlos.

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Beispiel 2: Die Großmutter, die dem Glück half

ca. 3 Minuten von der Enkelin gesprochen kirchliche Trauerfeier

Liebe Familie, liebe Trauergemeinde, Herr Pfarrer Lindner hat eben von Omas Leben gesprochen, von den schweren Jahren und von ihrem Glauben. Das war alles richtig. Ich möchte etwas ergänzen, das in keinem Lebenslauf steht: Meine Oma hat beim Rommé geschummelt. Zweiundneunzig Jahre alt, jeden Sonntag in der Kirche, und geschummelt, ohne rot zu werden.

Sie ließ Karten unter der Tischdecke verschwinden. Sie hat sich verzählt, immer zu ihren Gunsten. Und wenn man sie erwischte, sah sie einen über den Brillenrand an und sagte: „Ich schummle nicht. Ich helfe dem Glück.“ Dann hat sie die nächste Runde gegeben, als wäre nichts gewesen.

Elfriede wurde 1933 in Bamberg geboren und ist dort geblieben, in derselben Straße, fast im selben Haus. Sie hat in der Gärtnerei ihrer Eltern gearbeitet, vier Kinder großgezogen und Opa Georg um 27 Jahre überlebt. „Einer muss ja aufpassen, dass ihr keinen Unsinn macht“, hat sie dazu gesagt.

Aufgepasst hat sie vor allem auf unsere Partnerwahl. Jeder Freund und jede Freundin musste zum Antrittsbesuch in ihre Küche. Es gab Kaffee, ein Verhör und am Ende ein Urteil, das sie nicht für sich behielt. Meinen Mann hat sie nach zehn Minuten gefragt, ob er etwas Anständiges gelernt hat. Er ist Steuerberater. Sie hat kurz überlegt und gesagt: „Na ja. Rechnen kann er dann wenigstens.“ Markus, sie hat dich sehr gemocht. Das war ihre Art, es zu zeigen.

Im Küchenschrank stand hinter den Tassen eine Flasche Eierlikör. Offiziell war das Medizin. Für den Kreislauf, für die Nerven und, wenn Besuch kam, für die Geselligkeit. Wir Enkel bekamen ab sechzehn ein Gläschen, „aber sag's nicht deiner Mutter“. Mama, du wusstest es. Oma wusste, dass du es wusstest. So hat es allen mehr Spaß gemacht.

Hinter dem Schalk stand eine Frau, der nichts geschenkt wurde und die nie ein Wort darüber verloren hat. Die jedem von uns zum Abschied einen Geldschein in die Jackentasche steckte, heimlich, mit festem Griff um den Arm. Die bis zuletzt wissen wollte, wie es uns geht, und selten erzählt hat, wie es ihr geht.

Vor drei Wochen habe ich sie zum letzten Mal besucht. Sie war schon sehr müde. Wir haben trotzdem eine Runde gespielt. Sie hat gewonnen. Ich habe nicht nachgezählt.

Oma, ich glaube, du hast dem Glück oft geholfen. Meinem ganz bestimmt. Danke für jede Runde. Wir spielen weiter, und deinen Stuhl rückt keiner weg. Unter die Tischdecke schauen wir trotzdem.

Beispiel 3: Der Gartenfreund mit dem Zollstock

ca. 2,5 Minuten vom Gartennachbarn gesprochen Trauerfeier in der Trauerhalle

Liebe Marlies, liebe Familie, liebe Gartenfreunde, ich war 22 Jahre lang Detlefs Nachbar in der Anlage am Wasserturm in Leipzig. Parzelle 47 neben Parzelle 48. Uns hat nur eine Ligusterhecke getrennt, und über die wusste Detlef mehr als ich über mein eigenes Auto.

Er hat sie mit dem Zollstock gemessen, jedes Frühjahr. Ein Meter zwanzig erlaubt die Gartenordnung, und ein Meter zwanzig hatte sie. Ich habe einmal gefragt, was bei ein Meter fünfundzwanzig passiert. Er hat mich angesehen, als hätte ich vorgeschlagen, das Vereinsheim anzuzünden.

Detlef war unser Fachberater. Er konnte jedem erklären, warum seine Tomaten nichts werden. Nur wurden seine eigenen auch nichts. Braunfäule, jedes Jahr, zuverlässig ab Mitte Juli. Er hat sie mit immer neuen Überdachungen bekämpft, die letzte sah aus wie eine Bushaltestelle. Geerntet haben wir dann bei mir, und er hat so getan, als sei das sein Verdienst. War es ja auch, ein bisschen.

Dafür seine Zucchini. Die größte wog sieben Kilo. Er hat sie auf der Personenwaage im Vereinsheim gewogen und das Ergebnis in die Chronik eintragen lassen. Essen konnte man sie nicht mehr. Das war ihm gleich. Er hat sie durch die ganze Anlage getragen wie ein Neugeborenes.

Wer Detlef nur von der Hecke kannte, hielt ihn für streng. Wer ihn länger kannte, wusste es besser. Er hat bei Frau Petzold zwei Jahre lang den Rasen gemäht, als sie es nicht mehr konnte. Wer neu in die Anlage kam, fand ihn am ersten Samstag mit Ablegern am Tor. „Das wächst sich zurecht“, hat er dann gesagt. Das sagte er über krumme Bäume und über uns.

Dass er im Mai einfach nicht mehr gekommen ist, mitten in der Pflanzzeit, begreife ich noch nicht. Seine Gießkanne steht noch am Wasserhahn.

Detlef, ich habe deine Hecke geschnitten. Ein Meter zwanzig, ich habe zweimal nachgemessen. Deine Tomaten habe ich auch gesetzt. Sie werden wahrscheinlich wieder nichts. Aber wir versuchen es, jedes Jahr, so wie du. Mach's gut, Nachbar.

Alle Personen und Begebenheiten in den Beispielen sind frei erfunden, Ähnlichkeiten wären zufällig. Sie dürfen die Texte für Ihre eigene Rede frei verwenden und anpassen.

Wann eine humorvolle Trauerrede passt

Humor passt, wenn er zum Verstorbenen gehört hat. War er jemand, über dessen Eigenheiten die Familie schon immer liebevoll gelacht hat, dann fehlt in einer völlig ernsten Rede ein Stück von ihm. Ein gutes Zeichen: Wenn Sie im Familienkreis Erinnerungen sammeln und dabei gelacht wird, gehört etwas davon in die Rede.

Zurückhaltung ist angebracht, wenn der Tod sehr plötzlich kam, wenn ein junger Mensch gestorben ist oder wenn die nächsten Angehörigen erkennbar keine Kraft für Heiteres haben. Dann genügt ein einziger warmer Moment, oder Sie verzichten ganz. Eine lustige Trauerrede im Sinne eines Unterhaltungsprogramms ist ohnehin nicht gemeint: Es geht um ein Lächeln unter Tränen, nicht um Pointen in Serie.

Woher der Humor kommen darf

In allen drei Beispielen stammt das Komische aus dem Menschen selbst: aus seiner Unpünktlichkeit, ihrem Schummeln, seinem Zollstock. Das ist die wichtigste Regel.

  • Geeignet: Marotten, typische Sätze, liebenswerte Widersprüche, Geschichten, die der Verstorbene selbst gern erzählt hat.
  • Ungeeignet: Witze über Tod, Sterben, Krankheit oder das Jenseits, fertige Witze aus Sammlungen, Ironie auf Kosten anwesender Personen.
  • Heikel: Alkohol, Geld, frühere Beziehungen, alles, worüber nur ein Teil der Trauergäste lachen kann.

Jede heitere Szene sollte zugleich etwas Gutes über den Menschen zeigen. Der Vater kam zu spät, weil er unterwegs geholfen hat. So wird aus einer Anekdote eine Würdigung. Mehr zu solchen Details lesen Sie unter persönliche Trauerrede.

So testen Sie Ihre Rede vorher

  1. Vorlesen: Lesen Sie den Text der Person vor, die dem Verstorbenen am nächsten stand. Schmunzelt sie, bleibt die Stelle. Zögert sie, streichen Sie.
  2. Die Frage nach dem Urheber: Hätte der Verstorbene die Geschichte selbst erzählt, oder wäre sie ihm peinlich gewesen?
  3. Der Blick in den Raum: Denken Sie an den ältesten Gast und an den, der am stärksten trauert. Beide müssen die Stelle aushalten können.
  4. Die Dosis: Zwei oder drei heitere Momente reichen für eine Rede von drei Minuten.

Sagen Sie dem Pfarrer, der Trauerrednerin oder dem Bestatter vorab, dass Ihr Beitrag heitere Stellen enthält. Dann passt er in den Ablauf, und niemand ist überrascht.

Nach dem Lächeln weich landen

Eine humorvolle Rede braucht eine Wende. Setzen Sie die heiteren Szenen in die ersten zwei Drittel und werden Sie dann leiser: mit einem Satz über die letzte Zeit, mit dem, was hinter der Marotte stand, mit Dank. Machen Sie vor dieser Wende eine Pause und nach einem Lachen ebenfalls. Die Trauergäste brauchen den Augenblick.

Der Schluss darf das heitere Motiv noch einmal berühren, aber still: der aufgehobene Nachtisch, der Blick unter die Tischdecke. Enden Sie nicht mit einer Pointe, sondern mit Zuneigung. Hinweise zu Pausen und Stimme finden Sie unter Trauerrede halten, weitere ungewöhnliche Formen unter Trauerrede mal anders und klassische Texte bei den Mustern für Trauerreden. Wenn Sie Ihre Anekdoten erst sortieren möchten, hilft der Fragebogen.

Jeder Mensch ist einzigartig. Seine Rede sollte es auch sein.

Erst lesen, dann entscheiden. Einmalig 29 €, kein Abo.

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Häufige Fragen

Darf eine Trauerrede humorvoll sein?

Ja, wenn der Humor aus dem Leben des Verstorbenen kommt und die nächsten Angehörigen einverstanden sind. Ein Lächeln bei der Trauerfeier ist kein Zeichen fehlender Trauer. Es zeigt, dass der Mensch in der Erinnerung lebendig ist.

Wie viel Humor verträgt eine Trauerrede?

Als Faustregel genügen zwei bis drei heitere Momente, eingebettet in ernste und dankbare Passagen. Die Rede sollte leise enden, nicht mit einer Pointe.

Was mache ich, wenn bei der heiteren Stelle niemand lacht?

Sprechen Sie ruhig weiter. Viele Trauergäste lächeln nur innerlich oder trauen sich nicht, hörbar zu lachen. Eine gute Anekdote funktioniert auch ohne Lacher, weil sie etwas über den Menschen erzählt.

Passt Humor zu einer kirchlichen Trauerfeier?

In Maßen meist ja. Besprechen Sie Ihren Beitrag vorher mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin und achten Sie darauf, dass Glaube und Rituale nicht zum Gegenstand der Heiterkeit werden.

Welche Themen sind in einer humorvollen Trauerrede tabu?

Witze über den Tod selbst, die Krankheit und die Umstände des Sterbens, außerdem alles, was Anwesende bloßstellt oder alte Konflikte berührt. Im Zweifel streichen Sie die Stelle.

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