Wann in der Trauerfeier ein Text vorgelesen wird
Ein besinnlicher Text hat in der Trauerfeier drei mögliche Plätze: zu Beginn, als Einstimmung nach der Musik und vor der Begrüßung; nach der Trauerrede, als Ruhepunkt, bevor weitere Redner folgen; oder am Ende, als letzte Worte vor dem Abschied am Sarg. Er ist kürzer als die Rede, meist eine bis zwei Minuten, und er erzählt nicht das Leben, sondern gibt einen Gedanken mit.
In der kirchlichen Feier übernimmt diese Rolle die Schriftlesung, in der freien Feier wählt die Familie den Text selbst. Wo genau er im Ablauf steht, klären Sie mit dem Pfarrer oder Trauerredner; eine Übersicht gibt Ablauf einer Trauerfeier.
Besinnliche Texte für die Trauerfeier: zwölf eigene Texte
Die folgenden Texte sind für diese Seite geschrieben. Lesen Sie sie langsam, mit Pausen zwischen den Sätzen.
Über den Abschied
Abschied nehmen heißt nicht, jemanden gehen zu lassen. Es heißt, ihn anders bei sich zu behalten: nicht mehr am Tisch, aber in der Art, wie wir den Tisch decken. Nicht mehr am Telefon, aber in dem, was wir sagen, wenn jemand anruft und Hilfe braucht. Was ein Mensch uns gegeben hat, geht nicht mit ihm. Es bleibt bei uns und wartet darauf, weitergegeben zu werden.
Wir stehen heute hier, weil ein Leben zu Ende ist. Aber ein Leben ist nicht nur ein Anfang und ein Ende. Es ist alles dazwischen: die Morgen, die Wege, die Gespräche, die Stille zu zweit. Nichts davon ist heute verloren. Es ist nur nicht mehr in der Zukunft, sondern ganz in uns.
Über Dank
Es gibt Menschen, denen man nie richtig gedankt hat, weil sie immer da waren. Man dankt der Luft nicht fürs Atmen. Heute holen wir es nach, spät, aber ehrlich: Danke für jeden Tag, den du für uns selbstverständlich gemacht hast. Wir wissen jetzt, dass er es nicht war.
Was bleibt von einem Menschen? Nicht das Haus, nicht das Auto, nicht die Dinge im Schrank. Es bleibt, was er in andere hineingelegt hat: ein Handgriff, ein Satz, eine Haltung. Davon tragen wir heute alle etwas nach Hause. Und das ist mehr, als in ein Haus passt.
Über Erinnerung
Erinnerung ist kein Ort, an den man zurückkehrt. Sie ist ein Weg, den man weitergeht, mit jemandem an der Seite, den die anderen nicht sehen. Wer heute traurig ist, geht diesen Weg zum ersten Mal. Er wird leichter. Nicht, weil die Erinnerung schwächer wird, sondern weil man lernt, sie zu tragen.
Es wird Tage geben, an denen wir nach dem Telefon greifen, um etwas zu erzählen. Und dann fällt es uns ein. Diese Tage tun weh. Aber sie sind auch ein Zeichen: Jemand war so sehr Teil unseres Lebens, dass unsere Hände es noch nicht wissen. Lassen wir sie greifen. Sie lernen es langsam genug.
Über Hoffnung
Wir wissen nicht, was nach dem letzten Atemzug kommt. Aber wir wissen, was davor war: ein Leben, das andere verändert hat. Vielleicht ist das die Antwort, die wir bekommen können. Nicht, wohin ein Mensch geht, sondern was er hinterlässt. Und das ist bei diesem Menschen viel.
Die Nacht ist nicht das Ende des Tages, sondern der Weg zum nächsten. So sagen es die Alten, und sie haben es an vielen Gräbern gesagt. Wir sagen es heute noch einmal, für ihn und für uns: Es geht weiter. Anders, leiser, aber es geht weiter.
Im hohen Alter
Ein langes Leben ist ein Geschenk, und wer es bekommen hat, hat es mit uns geteilt. Wir dürfen heute traurig sein, und wir dürfen auch dankbar sein, dass wir so lange an einem Tisch saßen. Beides zusammen ist das, was man Abschied in Frieden nennt.
Nach langer Krankheit
Die letzten Monate haben viel verlangt, von ihr und von allen, die bei ihr waren. Jetzt ist es still geworden, und in dieser Stille ist auch Erleichterung. Das darf man sagen. Es macht die Liebe nicht kleiner. Es zeigt, wie groß sie war.
Nach plötzlichem Tod
Es gab keinen Abschied, kein letztes Gespräch, kein Händehalten. Das ist das Schwerste. Aber ein Mensch, der so gelebt hat, hat sich jeden Tag verabschiedet, ohne es zu wissen: mit jedem Anruf, jedem Lachen, jedem „Bis morgen“. Nehmen wir die, die wir hatten. Es waren viele.
Für Kinder in der Trauergemeinde
Wenn jemand stirbt, den wir lieb haben, wird es in uns leer. Aber die Erinnerungen bleiben, wie Bilder in einem Buch, das wir immer aufschlagen können. Heute schlagen wir es gemeinsam auf. Und wer möchte, erzählt nachher ein Bild.
Zehn Fragen, etwa 8 Minuten. Die Vorschau ist kostenlos.
Klassische Texte und Gedichte
Wer lieber einen klassischen Text liest, wählt einen, dessen Autor seit mehr als siebzig Jahren tot ist; dann ist der Text gemeinfrei, und Sie nennen einfach den Namen. Für die Trauerfeier passen Rilkes „Schlußstück“ und „Herbst“, Goethes „Wandrers Nachtlied“, Eichendorffs „Mondnacht“, Fontanes „Ausgang“ und die Strophen aus dem „Abendlied“ von Matthias Claudius. Alle stehen mit Lebensdaten der Dichter unter Trauergedichte.
Bei neueren Texten aus Büchern oder dem Internet ist Vorsicht geboten: Viele im Umlauf befindliche Trauertexte sind falsch zugeschrieben, und manche dürfen ohne Erlaubnis nicht öffentlich vorgelesen werden. Ein eigener Text ist immer die sicherere und meist die persönlichere Wahl.
Bibelworte, die oft gelesen werden
In der kirchlichen Trauerfeier wählt der Pfarrer die Lesung, oft im Gespräch mit der Familie. Wenn Sie einen Wunsch äußern möchten, sind dies die Stellen, die bei Trauerfeiern am häufigsten gelesen werden. Wir nennen nur die Fundstellen; den Wortlaut finden Sie in jeder Bibel.
- Psalm 23, der Herr ist mein Hirte
- Psalm 90, Vers 12, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen
- Prediger 3, alles hat seine Zeit
- Johannes 14, Vers 1 bis 6, in meines Vaters Haus sind viele Wohnungen
- Römer 8, Vers 38 und 39, nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes
- 1. Korinther 13, die Liebe hört niemals auf
- Offenbarung 21, Vers 4, Gott wird abwischen alle Tränen
Auch in einer freien Trauerfeier kann ein Bibelwort gelesen werden, wenn es dem Verstorbenen etwas bedeutet hat. Sagen Sie dann in einem Satz, warum.
Wer liest vor, und wie
Den besinnlichen Text liest oft jemand, der keine ganze Rede halten möchte, aber etwas beitragen will: ein Enkel, eine Schwester, eine Freundin. Das ist eine gute Aufgabe für Menschen, die sich eine eigene Rede nicht zutrauen. Ein paar Hinweise:
- Kurz ankündigen. „Ich lese einen Text, den wir für Oma ausgesucht haben.“ Mehr ist nicht nötig.
- Langsam. Halb so schnell, wie es sich richtig anfühlt. Pausen an jedem Punkt.
- Groß gedruckt, auf festem Papier, damit die Hände nicht zittern sehen.
- Eine Ersatzperson hat eine Kopie, falls die Stimme nicht durchhält.
Wie man vor der Trauergemeinde ruhig bleibt, steht unter Trauerrede halten. Und wer merkt, dass ein Text nicht reicht und er doch von dem Menschen erzählen möchte: Unter Rede erstellen wird aus zehn Antworten eine persönliche Rede, in die einer dieser Texte als Schluss passt. Weitere Bausteine für Anfang, Übergänge und Ende stehen unter Texte für Trauerreden.
Erst lesen, dann entscheiden. Einmalig 29 €, kein Abo.
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein besinnlicher Text für die Trauerfeier sein?
Eine bis zwei Minuten, also 100 bis 200 Wörter. Er ergänzt die Trauerrede und ersetzt sie nicht.
Wer liest den Text vor?
Oft ein Angehöriger, der keine ganze Rede halten möchte, etwa ein Enkel oder eine Freundin. Auch der Trauerredner oder Pfarrer kann ihn auf Wunsch der Familie lesen.
Darf ich in einer freien Trauerfeier ein Bibelwort lesen?
Ja, wenn es dem Verstorbenen etwas bedeutet hat. Sagen Sie kurz, warum Sie es gewählt haben.
Kann ich die Texte auf dieser Seite verwenden?
Ja. Die zwölf eigenen Texte dürfen frei vorgelesen, gedruckt und verändert werden.
Was ist der Unterschied zwischen besinnlichem Text und Trauerrede?
Die Rede erzählt vom Menschen, mit Lebenslauf und Erinnerungen, und dauert fünf bis zehn Minuten. Der besinnliche Text gibt einen Gedanken mit und dauert eine bis zwei Minuten.