Kurze Trauergedichte: vier bis acht Zeilen
Kurze Gedichte passen an das Ende einer Rede, auf die Trauerkarte, in die Traueranzeige und auf die Schleife am Kranz. Die folgenden Texte sind eigene Verse, geschrieben für diese Seite.
Was du uns gabst, bleibt bei uns stehn,
auch wenn wir dich nicht mehr sehn.
Ein Wort, ein Lachen, deine Hand,
das nimmt uns niemand aus der Hand.
Du bist nicht fort. Du bist nur still.
Und wer dich sucht, der findet dich
in jedem Tag, der werden will,
in jedem Blick zurück auf sich.
Die Tür ist zu. Das Licht bleibt an.
Wir gehen weiter, wie man kann,
und tragen, was du uns gelehrt,
als wärst du selbst noch eingekehrt.
Ein Leben lang warst du der Grund,
auf dem wir standen. Jetzt steht er leer.
Doch was er trug, das trägt uns noch,
und trägt uns weit, und trägt uns sehr.
Nicht Abschied ist das letzte Wort,
nur Stille, die uns hören lässt,
was du gesagt hast, immerfort:
Halt zusammen. Haltet fest.
Du hast den Weg zu Ende gebracht,
wir stehen noch am Rand.
Wir danken dir für jede Nacht,
in der du bei uns warst, und für die Hand.
Klassische Trauergedichte mit Autor und Lebensdaten
Diese Gedichte sind gemeinfrei, ihre Autoren sind seit mehr als siebzig Jahren tot. Sie dürfen sie in der Rede, auf der Karte und in der Anzeige verwenden; nennen Sie den Namen des Dichters.
Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926): Schlußstück
Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
Rainer Maria Rilke: Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832): Wandrers Nachtlied
Über allen Gipfeln
ist Ruh,
in allen Wipfeln
spürest du
kaum einen Hauch;
die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
ruhest du auch.
Johann Wolfgang von Goethe: aus „Selige Sehnsucht“
Und so lang du das nicht hast,
dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
auf der dunklen Erde.
Matthias Claudius (1740 bis 1815): aus „Abendlied“
Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen,
und lass uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbar auch.
Theodor Storm (1817 bis 1888): Über die Heide
Über die Heide hallet mein Schritt;
dumpf aus der Erde wandert es mit.Herbst ist gekommen, Frühling ist weit,
gab es denn einmal selige Zeit?Brauende Nebel geisten umher;
schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.Wär ich hier nicht gegangen im Mai!
Leben und Liebe, wie flog es vorbei!
Theodor Fontane (1819 bis 1898): Ausgang
Immer enger, leise, leise
ziehen sich die Lebenskreise,
schwindet hin, was prahlt und prunkt,
schwindet Hoffen, Hassen, Lieben,
und ist nichts in Sicht geblieben
als der letzte dunkle Punkt.
Joseph von Eichendorff (1788 bis 1857): Mondnacht
Es war, als hätt der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.
Eduard Mörike (1804 bis 1875): aus „Denk es, o Seele!“
Ein Tännlein grünet wo,
wer weiß, im Walde,
ein Rosenstrauch, wer sagt,
in welchem Garten?
Sie sind erlesen schon,
denk es, o Seele,
auf deinem Grab zu wurzeln
und zu wachsen.
Friedrich Rückert (1788 bis 1866): aus „Ich bin der Welt abhanden gekommen“
Ich bin gestorben dem Weltgetümmel
und ruh in einem stillen Gebiet.
Ich leb allein in meinem Himmel,
in meinem Lieben, in meinem Lied.
Dietrich Bonhoeffer (1906 bis 1945): aus „Von guten Mächten“
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Zehn Fragen, etwa 8 Minuten. Die Vorschau ist kostenlos.
Trauergedichte für die Mutter
Für die Mutter passen Gedichte über Wärme, Hände und Zuhause. Diese beiden Texte sind eigene Verse; sie lassen sich am Ende der Rede sprechen oder auf die Karte drucken.
Deine Hände haben alles gekonnt:
Brot und Trost und Schleifen binden,
Fieber messen, Wege finden,
und zuletzt: uns loszulassen.
Das war das Schwerste. Das war Liebe.
Zuhause war kein Haus, kein Ort.
Zuhause war, wo du gesessen hast,
mit Kaffee, Zeit und einem Wort
für jeden, der zur Tür hereinkam.
Jetzt tragen wir es in uns fort.
Vollständige Reden für den Abschied von der Mutter, in die ein solches Gedicht hineinpasst, finden Sie unter Trauerrede für die Mutter.
Trauergedichte für den Vater
Für den Vater wählen viele Familien knappe Verse: wenige Worte, wie er selbst sie gemacht hätte.
Du hast nicht viel gesagt.
Du hast gemacht.
Und was du machtest, hält:
der Zaun, der Tisch, das Dach,
und wir.
Ein Mann, der wusste, wann man schweigt,
und wann man einen Kaffee kocht,
und wann man einfach bleibt.
Bleib jetzt bei uns, auf deine Art:
in dem, was hält, und dem, was trägt.
Beispiele für die Rede finden Sie unter Trauerrede für den Vater.
Trauergedichte für Oma und Opa und für einen Freund
Für die Großeltern sprechen oft die Enkel. Ein kurzes Gedicht gibt ihnen Halt, wenn eigene Worte schwerfallen.
Bei dir war immer Kuchen da
und Zeit und eine warme Hand.
Wir waren klein, du warst schon da,
und jetzt gehst du voran ins Land,
von dem du uns so oft erzählt.
Wir kommen nach. Nicht heute. Aber wir.
Du hast uns Knoten beigebracht
und Namen von den Sternen,
und dass man nichts zu Ende macht,
bevor man es gelernt.
Wir lernen jetzt das Schwerste, Opa:
ohne dich zu sein.
Für einen Freund darf ein Gedicht direkter sein, im Du, ohne Feierlichkeit.
Wir hatten keinen Vertrag, nur Jahre.
Kein Versprechen, nur Anrufe um drei.
Du warst da, ohne zu fragen, warum.
Jetzt frag ich, und du bist nicht dabei.
Danke, Alter. Für alles. Für alles.
Reden dazu unter Trauerrede für die Oma, Trauerrede für Opa und Trauerrede für einen Freund.
Moderne Trauergedichte ohne Reim
Nicht jedes Gedicht muss sich reimen. Freie Verse klingen bei einer weltlichen Trauerfeier oft ehrlicher, weil sie wie gesprochene Sprache wirken.
Man sagt, die Zeit heilt.
Die Zeit heilt nichts.
Sie lehrt uns nur,
mit der Lücke zu gehen,
als wäre sie ein Teil von uns.
Sie ist es. Du bist es.
Ich habe dein Lachen nicht aufgenommen.
Ich habe deine Stimme nicht gespeichert.
Ich habe nur zugehört, jahrelang,
und das reicht.
Ich höre dich noch.
Du fehlst
nicht wie ein Zahn, nicht wie ein Schlüssel.
Du fehlst wie der Ton,
auf den das ganze Lied gestimmt war.
Wir singen trotzdem. Schief. Für dich.
Ein Gedicht in die Trauerrede einbauen
Ein Gedicht wirkt in der Rede am stärksten an einer von zwei Stellen: ganz am Anfang, als Einstieg vor der Begrüßung, oder ganz am Ende, als letzte Worte vor dem Abschied. In der Mitte unterbricht es den Erzählfluss.
- Kündigen Sie es an. Ein Satz genügt: „Zum Schluss ein Gedicht, das sie selbst oft aufgesagt hat.“ So wissen die Gäste, dass jetzt fremde Worte kommen.
- Sprechen Sie langsam. Verse brauchen Pausen. Lesen Sie Zeile für Zeile, nicht Satz für Satz.
- Nennen Sie den Dichter bei klassischen Gedichten. Bei eigenen Versen sagen Sie einfach, dass Sie sie geschrieben haben; das ist ein Geschenk, kein Mangel.
- Eines genügt. Zwei Gedichte in einer Rede nehmen sich gegenseitig die Wirkung.
Wo das Gedicht im Aufbau der Rede seinen Platz hat, zeigt Aufbau einer Trauerrede; wie Sie es vortragen, ohne dass die Stimme bricht, steht unter Trauerrede halten. Und wenn die Rede um das Gedicht herum noch fehlt: Unter Rede erstellen entsteht sie aus Ihren Erinnerungen, das Gedicht können Sie danach an den Anfang oder das Ende setzen.
Erst lesen, dann entscheiden. Einmalig 29 €, kein Abo.
Häufige Fragen
Darf ich ein Gedicht eines bekannten Dichters in der Trauerrede verwenden?
Gedichte von Autoren, die seit mehr als siebzig Jahren tot sind, sind gemeinfrei und dürfen frei verwendet werden. Das gilt für alle klassischen Texte auf dieser Seite. Bei neueren Gedichten fragen Sie beim Verlag oder wählen einen eigenen Text.
Wo steht das Gedicht in der Trauerrede?
Am Anfang als Einstieg oder am Ende als letzte Worte. In der Mitte unterbricht es die Erzählung. Kündigen Sie es mit einem Satz an und lesen Sie es langsam, Zeile für Zeile.
Wie lang darf ein Trauergedicht sein?
Für die Rede vier bis zwölf Zeilen, für Karte und Anzeige zwei bis vier. Längere Gedichte wie Mondnacht oder Herbst passen, wenn sie dem Verstorbenen etwas bedeutet haben.
Kann ich die eigenen Gedichte auf dieser Seite verwenden?
Ja, für Rede, Karte, Anzeige und Grab, auch verändert. Sie wurden für diese Seite geschrieben und dürfen frei übernommen werden.
Muss ein Trauergedicht sich reimen?
Nein. Freie Verse wirken bei weltlichen Feiern oft ehrlicher. Wichtig ist, dass der Text zum Menschen passt und dass Sie ihn beim Vortragen aushalten.