Beispiel 1: Nachruf der Kinder auf den Vater, für die Zeitung
Heinrich Lorenz, 3. August 1941 bis 15. Mai 2026.
Unser Vater war Schlosser, 44 Jahre lang im selben Betrieb in Bochum, und er hat es nie bereut. Er kam 1959 als Lehrling, ging 2003 als Meister und hat noch mit 80 Jahren jedem im Haus die Heizung entlüftet, ob man wollte oder nicht.
Er hat unsere Mutter Hannelore 1964 beim Schützenfest kennengelernt und 58 Jahre mit ihr gelebt. Nach ihrem Tod vor drei Jahren ist er stiller geworden, aber nicht weniger da: Jeden Sonntag stand er um zwölf vor unserer Tür, mit Kuchen vom Bäcker und der Frage, ob es was zu reparieren gibt.
Seine Werkstatt im Keller war der Ort, an dem wir als Kinder alles fragen durften. Er hat geantwortet, ohne vom Schraubstock aufzusehen, und die Antwort stimmte immer. Die Werkstatt steht noch. Wir bringen es nicht über uns, sie aufzuräumen.
Was uns bleibt, ist sein Satz für alle Lagen: „Das kriegt man hin.“ Er hat ihn gesagt, als das Haus gebaut wurde, als die Firma wackelte, als Mama krank war. Wir sagen ihn jetzt uns selbst.
Wir danken allen, die ihn in seinen letzten Wochen im Sankt-Josef-Hospital begleitet haben, und seinen Nachbarn in der Dahlienstraße, die ihm bis zuletzt den Gartenzaun streichen ließen, obwohl er nicht mehr musste.
Papa, das kriegen wir hin. Aber du fehlst.
Claudia Rieger und Martin Lorenz mit Familien
Aus Ihren Erinnerungen, in zehn Fragen. Die Vorschau ist kostenlos.
Beispiel 2: Nachruf auf einen Freund, für den Freundeskreis
Liebe Freunde von Stefan,
am Dienstag ist Stefan Kramer gestorben, mit 52 Jahren, viel zu früh und viel zu plötzlich. Viele von euch haben es schon gehört. Für die anderen schreibe ich diese Zeilen, weil er es verdient hat, dass es jemand aufschreibt.
Stefan war der, der immer die Gitarre dabeihatte, auch wenn keiner darum gebeten hatte, und der, der als Erster half, wenn jemand umzog, auch wenn keiner darum gebeten hatte. Wir haben uns 1991 in der Fachschule in Kiel kennengelernt, und seitdem gab es keinen Sommer ohne ihn: das Zeltlager an der Schlei, die Radtour nach Dänemark, die endlosen Abende auf seinem Balkon in der Holtenauer Straße.
Er war Erzieher, mit Leib und Seele, und die Kinder seiner Kita haben ihn „Stefan mit der Gitarre“ genannt. Ich glaube, es gibt keinen besseren Nachruf als diesen.
Seine Frau Nele und seine Tochter Lotta brauchen uns jetzt. Nicht mit Worten, sondern so, wie Stefan es gemacht hätte: einfach da sein, mit Kuchen, mit Zeit, mit einer Gitarre, die keiner bestellt hat.
Am Samstag treffen wir uns um 15 Uhr an der Schlei, an unserem Platz. Bringt eure Geschichten mit. Stefan hätte sie alle schon gekannt und trotzdem gelacht.
Für alle, die ihn geliebt haben: Jörg
Alle Personen und Begebenheiten in den Beispielen sind frei erfunden, Ähnlichkeiten wären zufällig. Sie dürfen die Texte für Ihre eigene Rede frei verwenden und anpassen.
Nachruf für ein Familienmitglied: was ihn vom Vereins-Nachruf unterscheidet
Der Nachruf der Familie hat kein Amt zu würdigen. Er erzählt den Menschen: Beruf und Herkunft in zwei Sätzen, dann das, was nur die Familie weiß: der Satz für alle Lagen, der Kuchen am Sonntag, der Gartenzaun. Er darf im Wir und im Du geschrieben sein und den Verstorbenen direkt ansprechen, wie das erste Beispiel am Ende.
- Kopfzeile mit Namen und Daten, wie in der Traueranzeige.
- Herkunft und Beruf in wenigen Sätzen, mit Ort und Jahren.
- Die Familie: Ehe, Kinder, Enkel, mit einer Szene statt einer Aufzählung.
- Was bleibt: ein Satz, eine Gewohnheit, eine Haltung.
- Dank und Absender: Dank an Pflegende und Nachbarn, dann die Namen der Kinder oder „Deine Familie“.
Der allgemeine Aufbau mit Formulierungen für Anfang und Schluss steht unter Nachruf schreiben. Wer die Trauerrede für den Vater oder die Mutter gehalten hat, kürzt sie oft einfach auf einen Nachruf; Beispiele für solche Reden finden Sie unter Trauerrede für den Vater und Trauerrede für die Mutter.
Zeitpunkt, Ort und der Nachruf für einen Freund
Der Familien-Nachruf erscheint meist zwei bis sechs Wochen nach dem Tod, oft zusammen mit der Danksagung, deren Vorlagen unter Danksagung nach der Trauerfeier stehen. Er steht in der Zeitung des Wohnorts, auf einer Gedenkseite im Internet oder in einem Brief, der an Verwandte und Freunde geht.
Der Nachruf für einen Freund ist die freieste Form. Er darf als Brief geschrieben sein, im Du, mit Ortsnamen und Erinnerungen, die nur der Freundeskreis versteht. Er ersetzt oft die Rede, die bei der Trauerfeier keinen Platz hatte, und endet gern mit einer Verabredung: einem Treffen, einem Lied, einem Ort. Wer für einen Freund lieber bei der Trauerfeier spricht, findet Beispiele unter Trauerrede für einen Freund.
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Häufige Fragen
Wann erscheint der Nachruf der Familie?
Meist zwei bis sechs Wochen nach dem Tod, oft zusammen mit der Danksagung. Es gibt keine Frist; ein Nachruf zum ersten Jahrestag ist ebenfalls üblich.
Darf ein Nachruf den Verstorbenen direkt ansprechen?
Ja. Ein Satz im Du am Ende, wie „Papa, du fehlst“, ist in Familien-Nachrufen üblich und wirkt ehrlich, solange der übrige Text erzählend bleibt.
Wie lang sollte ein Nachruf für die Zeitung sein?
120 bis 250 Wörter, weil die Anzeige nach Fläche berechnet wird. Für eine Gedenkseite oder einen Brief an Freunde dürfen es 300 bis 400 sein.
Kann ich den Nachruf aus der Trauerrede machen?
Ja, das ist der einfachste Weg. Kürzen Sie die Rede auf ein Viertel, behalten Sie die eine Szene und den typischen Satz und setzen Sie Name, Daten und Absender darüber und darunter.